Kapitel 3
Am nächsten Abend holte Maria den Anzug aus dem Schrank, den sie erst wenige Tage zuvor in einer Herrenboutique gekauft hatten. „Siehst du, wie gut, dass du auf mich gehört und dich für den schicken blauen Boss-Anzug entschieden hast. Der steht dir hervorragend und passt zum heutigen Anlass.“
Sie ließen sich mit einem Taxi zum Haus am westlichen Stadtrand bringen. Maria hatte unterwegs in einem großen Blumengeschäft einen Strauß gelber Rosen erstanden. „Den schenkst du der Hausherrin. Das macht bestimmt Eindruck. Und ich habe vorhin noch eine teure Flasche Rotwein in unserem Weinladen um die Ecke gekauft, der Händler sagte mir, der wäre etwas ganz Besonderes, ein Rothschild Lafite. Bei dem Preis von über fünfhundert Euro darf man das wohl auch erwarten. Aber mein Chef liebt französische Weine und einen mit solchem Preis trinkt der bestimmt auch nicht alle Tage.“
„Das hast du gut gemacht. Ich liebe Wein. Ich kenne so viele Weisheiten über dieses Getränk.“
„Dann kannst du ja dem Rotling einiges über Wein erzählen?“
„Ja, so etwas erzähle ich gerne.“
„Prima. Übrigens habe ich deinen Unfall nicht erwähnt, muss ja keiner wissen. Rotling denkt, du wärest Selfmade Millionär. Was ja in gewisser Weise sogar stimmt. Selfmade durch das Recht und durch kompetente Beratung. Und du bist jeder Herausforderung gewachsen.“
Die Hausherrin öffnete die große Eingangstür. Sie hatte ein schickes Abendkleid an und eine Frisur, um die sich einer der prominentesten Friseure der Stadt bemüht hatte.
Karl machte eine höfliche Verbeugung und überreichte ihr den Strauß mit den dreißig gelben Rosen. Sie war sichtlich beeindruckt. „Vielen herzlichen Dank. Kommen Sie doch erstmal herein.“ Die Damen kannten sich und Frau Rotling war wirklich erfreut über den Besuch, hatte sie doch immer vermutet, ihr Mann könnte eines Tages bei seiner geschiedenen, recht attraktiven und munteren Sekretärin schwach werden. Die Tatsache, dass sie sich einen so gut aussehenden Millionär geangelt hatte, verscheuchte jede Form der Eifersucht und des Misstrauens.
Der Parteivorsitzende kam in die Diele. „Entschuldigung. Ich hatte noch ein wichtiges Telefongespräch. Treten Sie ein in die gute Stube. Unser Hausmädchen hat schon den Tisch gedeckt und die Köchin bringt uns in einer Viertelstunde eine Überraschung. Ich weiß selbst nicht, was sie heute für uns vorbereitet hat. Ich hoffe, Sie haben einen gesegneten Appetit mitgebracht?“
„Appetit ist das Vermögen, die politischen Verhältnisse im Nu zu vergessen.“
Der Gastgeber musste lachen. „Sehr treffend, aber nach dem Essen müssen wir kurz auch über einige politische Dinge sprechen.“
Das Wohnzimmer glich einem kleinen Palastsaal. Der Esstisch hätte zwanzig Personen Platz geboten, diesmal waren nur vier Plätze am oberen Teil der Tafel eingedeckt.
„Darf ich Ihnen das abnehmen?“ Der Hausherr meinte den kleinen länglichen Holzkasten, den Karl noch immer in der Hand hielt.“
„Ja. Danke. Das ist für Sie.“
Der Angesprochene nahm den antik anmutenden Kasten entgegen und zog die Klappe ab. Er sperrte seinen Mund weit auf, als er den Inhalt sah. „Ein Rothschild Lafite? Sie sind verrückt, wenn ich das sagen darf. Der kostet doch ein Vermögen? Einen solch exzellenten Wein hatte mein Weinkeller lange nicht zu bieten.“
„Wer Wein verdient, soll nicht Wasser bekommen. Und das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.“
„Da haben Sie recht. Vielen Dank. Ich hoffe, ich habe ihn verdient, viele meiner Parteifreunde sind da anderer Ansicht. Sie wissen wohl auch einen guten Wein zu schätzen, Herr König?“
„Ja. Ich glaube, ja. Eine Flasche Wein enthält mehr Philosophie als alle Sachbücher.“
„Besser kann man es nicht ausrücken. Aber bitte nehmen Sie doch Platz.“
Die Köchin, eine dickliche Dame mit einem Dutt, Pausbacken, kleinen schelmisch blickenden Augen und einem Akzent, der auf eine französische Herkunft schließen ließ, stellte sich kurz vor und versprach einen unvergesslichen Abend für den Gaumen. Sie hätte ein französisches Acht-Gänge-Menü zubereitet. Bevor sie den ersten Gang, eine klare Hühnersuppe, servieren würde, gäbe es, sozusagen als Gaumenaperitif, für jeden eine kleine Auster, es wären die besten Austern, die sie jemals auf dem Markt erstanden habe.
Während des zweistündigen Essens erzählte die Hausherrin detailliert, wie sie zu den Stilmöbeln gekommen sei, die das riesige Zimmer zu einer Art Antiquariat machten.
Frau Weiß hatte einige der Vitrinen gelobt und das Bild an der Rückfront bewundert, eine Kopie von William Turners Licht und Farbe.
Herr Rotling wandte sich an Karl. „Was halten Sie von der Malerei?“
„Maler sprechen durch Farbe, nicht durch Worte. Das ist schön.“
„Stimmt. Ich bin kein Experte, aber Bilder, in denen der Maler seine Sprache durch große Farbintensität, vor allem die Darstellung des Sonnenlichtes zum Ausdruck bringt, gefallen mir am besten, sie schaffen eine wunderbare Atmosphäre.“
„Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Geschick aus einem gelben Fleck eine Sonne macht.“
„Und genau die, lieben Sie scheinbar auch. Dieser Turner macht tatsächlich aus einem Klecks Farbe eine echte Sonne. Wir haben wohl einiges gemeinsam. Das passt gut zu meinem Anliegen. Aber lassen Sie uns auf den heutigen Abend anstoßen.“
Karl hatte früher selten Wein getrunken, aber dieser schwere rote Wein schmeckte ihm vorzüglich, vertrieb die Nervosität, die er in dieser fremden Umgebung empfand, und regte seine Fantasie an.
Der Gastgeber schwärmte von seinem Lieblingsgut im Süden Frankreichs, welches er einmal im Jahr besuchen und dort mindestens zwanzig Kartons der prämierten Weine des jeweiligen Jahrgangs ordern würde. „Bei einem guten Wein kann ich schwach werden. Wie ein Dichter einmal schrieb: Der Wein ist die Poesie der Erde.“
„Den Spruch mag ich. Aber kennen Sie den: Ein gutes Glas Wein ist geeignet, den Verstand zu wecken.“
„Ja. Stammt von einem Politiker. Bei uns muss der Verstand zum Glück nicht geweckt werden, er wird nur angeregt.“
Die Damen lachten und aßen die winzigen Obststückchen, welche das Ende des Menüs bildeten.
„Vielen Dank, Josefine. Sie haben sich heute selbst übertroffen. Ich hoffe, es hat unseren Gästen auch gemundet?“
Frau Weiß nickte. „Es war ganz vorzüglich. Ihre Köchin müsste prämiert werden.“
Alle schauten auf Karl. Dieser meinte: „Danke. Die Küche ist das Herz des Hauses.“
„Sie haben es gehört, Josefine. Sie bilden das Herz unseres Hauses. Was wären wir ohne Sie?“
Als die Köchin freudestrahlend in ihre Küche zurückgekehrt war, wendete sich der Hausherr an seine Gattin: „Rosie, du wolltest doch Frau Weiß deinen Wintergarten mit den prächtigen Orchideen zeigen? Jetzt wäre doch eine gute Gelegenheit.“
„Orchideen?“, hakte Karl nach.
„Ja, wundervolle Exemplare. Interessieren Sie sich auch für die Blumenzucht?“
„Blumen sind mein Leben.“
„Dann werden wir uns nachher in den Wintergarten meiner Frau begeben, lassen wir jetzt die beiden Damen aber erstmal alleine die Pflanzenpracht inspizieren. Ich möchte Ihnen einige Dinge erzählen.“
Die Frauen verstanden den Wink, erhoben sich von ihren Plätzen und Frau Rotling geleitete ihre Besucherin in den von ihr selbst angelegten und gepflegten Wintergarten.
Nachdem die beiden Damen den Raum verlassen hatten, meinte Herr Rotling: „So, ich will es nicht spannender machen, als es ist. Sie können sich bestimmt denken, dass ich Sie nicht ganz ohne Absicht eingeladen habe?“
„Nicht jede Absicht ist offenbar, und manches Mannes Absicht ist zu missdeuten.“
„Das mag sein, aber meine Absicht ist lauter und kann von Ihnen nicht falsch verstanden werden. Ich habe von Ihrer Verlobten einiges über Sie erfahren. Nur Gutes. Wie ich hörte, haben Sie sich vollkommen aus dem Berufsleben zurückgezogen und widmen sich nur noch philanthropischen Aufgaben. Unterstützen Umweltschutzprogramme und Kinderhilfsprojekte?“
„Ja. Ich liebe Kinder.“
„Mir geht es genauso. Obwohl die Natur meiner Frau und mir kein eigenes Kind ermöglicht hat. Darf ich fragen, auf welchem Gebiet Sie Ihr Vermögen erworben haben? Was hat Sie so wohlhabend gemacht?“
„Kompetente Beratung.“
„Das ist ein glücklicher Zufall. Doch ich konnte mir schon so etwas denken. Sie werden es nicht verraten wollen, aber ich vermute, Sie waren die Graue Eminenz der Automobilbranche? Sagen Sie nichts, ich weiß, der Chefberater wurde nie in der Öffentlichkeit vorgestellt und wollte immer anonym bleiben. Und das ist jetzt gut so. Erspart unnötige Erklärungen. Aber ich schulde Ihnen noch eine wirkliche Erklärung. Sie haben mir mit Ihrem Redebeitrag gestern sehr geholfen, es gibt einige Konkurrenten, die mir meinen Posten neiden. Meine Wiederwahl ist jedoch nur ein kleiner Erfolg. Sie wissen sicher, dass die nächste Parlamentswahl bevorsteht und die Umfragewerte unserer Partei katastrophal sind. Es bleiben noch sieben Monate, um das Ruder herumzureißen. Ich habe eine interne Wahlvorbereitungskommission ins Leben gerufen, die wird die beste Strategie für den Wahlkampf ausarbeiten. Die meisten Mitglieder sind junge Draufgänger, intelligent, ehrgeizig, mitunter hyperaktiv, fast hysterisch, sehr clever, aber nicht ganz unvoreingenommen und zu fokussiert auf die Partei und ihre Parteikarriere. Ich brauche einen Mann wie Sie, ruhig, mit großer Lebenserfahrung, objektiv urteilend, ohne jedes materielle Interesse, auf keinen höheren und besser bezahlten Posten schielend, sondern nur seinen Idealen und der Wahrheit verpflichtet. Gerade Ihre Vergangenheit als Berater prädestiniert Sie, bei dieser Kommission mitzumachen. Sie würden mein rechter Arm sein, die Jungen, wenn notwendig, zur Räson rufen, könnten Ihre Ideen und Slogans einbringen. Sie würden mitwirken, eine bessere Zukunft für unser Land zu gestalten. Wenn wir die stärkste Kraft im Land werden, könnten wir auch Ihre Ideale realisieren, mehr für die Umwelt und besonders viel für die Jüngsten unserer Gesellschaft tun. Und Sie müssen auch kein Parteimitglied werden. Vielleicht ist es sogar sinnvoller, wenn Sie als Parteiloser agieren, als externer Sachverständiger und Berater, das würde Ihre Neutralität und ihren objektiven Blick unterstreichen. Was sagen Sie, Herr König?“
„Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.“
„Und Sie wollen natürlich die Zukunft mitgestalten? Ich werte Ihre Bemerkung als Zusage. Sie werden die Herausforderung annehmen?“
„Ich bin jeder Herausforderung gewachsen.“
„Davon bin ich überzeugt, sonst würden Sie nicht heute an diesem Tisch sitzen. Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit!“
Der Parteivorsitzende erhob sein Glas und Karl machte es ihm nach. Der Wein schmeckte ihm wirklich vorzüglich und den Worten seines Gastgebers hatte er entnommen, dass er jetzt eine wichtige Persönlichkeit geworden war.
Nachdem man sich dreimal zugeprostet hatte, hätte Karl am liebsten begonnen, einen alten Schlager anzustimmen, der ihm im Gedächtnis geblieben war. Eine Frau, er konnte sich nicht mehr an ihr Gesicht erinnern, hatte den Titel besonders geliebt und ihm oft vorgesungen.
Bevor er sein Vorhaben verwirklichen konnte, traten die beiden Damen Arm in Arm wieder in den Raum. „Na, hat Ihnen das Pflanzendomizil meiner Frau gefallen?“
„Eine grandiose Pracht. Ich denke, mein Verlobter wird ganz begeistert sein, wenn er sich den Wintergarten anschaut.“
„Den werde ich ihm gleich zeigen. Zuvor möchte ich Ihnen aber noch ein Angebot machen, Frau Weiß.“
Die Angesprochene schaute erwartungsvoll auf ihren Chef.
„Sie wissen, wie sehr ich Ihre Arbeit schätze und eine solche Chefsekretärin werde ich wohl kaum noch einmal finden. Aber Ihr Verlobter hat sich von mir überzeugen lassen und wird ab Montag mein Chefberater sein. Und natürlich Mitglied in der Kommission X.
Er arbeitet völlig unentgeltlich, aber er wird eine Menge Schriftkram und organisatorische Dinge um die Ohren haben, die er nicht allein bewältigen kann und soll. Er braucht eine gute Assistentin. Und wer könnte ihm besser helfen als Sie, Frau Weiß? Natürlich erhalten Sie für diese Funktion ein höheres Gehalt, ich dachte an eine Aufstockung von eintausendfünfhundert Euro, und alle Ausgaben, die mit der Arbeit zusammenhängen, können Sie bei der Parteikasse abrechnen. Ich danke Ihnen, dass Sie Ihren Verlobten überreden konnten, sich für unsere Partei und den bevorstehenden Wahlkampf zu engagieren.“
Die hübschen Grübchen im Gesicht der Beförderten wurden tiefer und sahen jetzt wie angemalt aus. „Vielen Dank, Herr Rotling. Wir werden Sie nicht enttäuschen. Mein Charly nimmt alles, was er tut, sehr ernst und ist mit Herzblut bei der Sache.“
„Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Kommen Sie, Herr König, jetzt werde ich Ihnen den Spielplatz meiner Frau zeigen. Die Damen sind etwas zurück, was den Weinkonsum anbelangt, sie können sich in der Zwischenzeit ein Glas von diesem erlesenen Roten genehmigen. Wir sind in zehn Minuten zurück.“
Diese Ankündigung war zwar ehrlich gemeint, berücksichtigte aber nicht die Begeisterung, die Karl beim Anblick der tropischen und subtropischen Pflanzen empfand und die Intensität, mit der er jede einzelne Blüte betrachtete. Ohne sagen zu können, warum, fiel ihm beim Anblick einer besonders ins Auge fallenden rosafarbenen Orchidee sogar der Name und ihre Herkunft ein. „O, eine Pleione. Wunderschön. Und dies ist eine Miltonia spectabilis, eine sogenannte Stiefmütterchen Orchidee, sie stammt ursprünglich aus dem Regenwald Brasiliens und wird von Züchtern geschätzt. Eine fantastische Blüte. Diese hier sieht etwas krank aus. Sie sollten sie einige Zeit nur mit Mineralwasser gießen, eines mit geringem Nitratanteil.“
„Ich kenne mich leider auf den Gebieten Flora und Fauna nicht so gut aus, dies ist das Metier meiner Frau. Sie hätten mit ihr diesen Rundgang machen sollen. Aber das können wir bald einmal nachholen. Ich werde Sie bestimmt des Öfteren zurate ziehen. Nochmals vielen Dank für Ihre Bereitschaft, mir bzw. uns zu helfen. Die Umfragewerte sind zurzeit im Keller. Nur frische Ideen und der Rat von erfahrenen Experten wie Sie kann die Lage zu unseren Gunsten verändern. Montag um zehn Uhr beginnt die erste Sitzung der Kommission im Zentralen Parteihaus. Es wäre schön, wenn Sie teilnehmen könnten.
Ich möchte Sie bei dieser Gelegenheit vorstellen und Sie können sich mit der Kommissionsarbeit und den berufenen Mitgliedern bekannt machen. Wäre Ihnen das recht?“
„Gerne. Wenn meine Maria einverstanden ist, bin ich es auch.“
„Sie wird es ganz sicher sein!“
In der Stunde, in der Karl sich dem Wintergarten gewidmet hatte, hatten die Damen die Flasche Rotwein geleert. Das Ergebnis war eine abwechselnde Diskussion ohne Pause, eine erhöhte Lautstärke der Stimmen und ein wiederholtes Lachen oder Kichern. Nachdem der Gastgeber und Karl wieder Platz genommen hatten und Herr Rotling seiner Gattin berichtete, welchen positiven Eindruck der prächtige Wintergarten auf den Gast gemacht hatte, strahlte das ohnehin schon stark gerötete Gesicht der Gelobten noch eine Schattierung dunkler.
„Danke für Ihre Anerkennung, Herr König. Das bedeutet mir sehr viel. Ich widme diesem Hobby so viel Zeit und Kraft.“
Karl fiel ein Spruch ein, er wusste zwar nicht, wo er ihn gelesen oder gehört hatte, aber er kam wie aus der Pistole geschossen aus seinem Mund: „Ein Mensch muss sein Hobby schon sehr schätzen, wenn er es ohne Hoffnung auf Ruhm und Geld ausübt.“
„Da haben Sie recht, es geht mir nicht um Ruhm oder Geld, sondern einfach um die Freude, die Blumen wachsen und gedeihen zu sehen. Man merkt, Sie sind, wie mir Ihre Verlobte berichtete, ein wahrer Philanthrop, der liebt nämlich nicht nur die Menschen, sondern auch Pflanzen und Tiere, die gesamte unendliche und vielfältige Natur.“
„Ja. In der ganzen Natur ist kein Lehrplatz, sondern sind lauter Meisterstücke.“
„Wundervoll ausgedrückt. Ich denke, Sie werden meinem Mann wieder zu alter Größe verhelfen, zu nie da gewesenen Umfragewerten und Zustimmung innerhalb der Partei.“
Nach einer halben Stunde, in der man sich über eine neue Fernsehserie unterhielt, die Karl aus den Vormittagswiederholungen kannte, nicht die konkrete Handlung, aber der lustige Hauptheld mit seinen coolen Sprüchen hatte sich bei ihm eingeprägt, verabschiedete man sich herzlich und Maria bedankte sich für das exzellente Menü und die nette Unterhaltung. Karl nickte nur.
Als die beiden in ihr Taxi gestiegen waren und die Gastgeber die Tür hinter sich geschlossen hatten, meinte Herr Rotling: „So viel Glück kann man doch gar nicht haben! Maria hatte mir einiges über ihren Verlobten erzählt, aber erst in der Wahlversammlung bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Der Mann ist einfach unglaublich: War Berater in der Wirtschaft, endlich mal einer, der sich im Wirtschaftsleben auskennt. Und hast du mitbekommen? Ob Wein, Malerei, Umwelt, der ist auf allen Gebieten beschlagen und macht damit nicht einmal viel Aufhebens, wirkt total bescheiden. Selbst die doofe ausländische Soap Opera hat er sich angesehen. Der weiß also, wie die einfachen Leute gestrickt sind. Deine Orchideen kannte er alle mit Namen und Herkunftsland. Ich glaube, wir haben das große Los gezogen.“
„Da hast du recht. Ich hätte der Weiß nie zugetraut, einen solch großen Fang zu machen. Ein allseits gebildeter Millionär, der auch noch blendend aussieht und keine Starallüren besitzt.“
Die Rotlings waren mit dem Abend mehr als zufrieden und der erzielte Erfolg in Verbindung mit dem getrunkenen Wein führten dazu, dass nach drei Monaten Pause das eheliche Bett nicht nur zum Nachtschlaf genutzt wurde.