Literatur, die unterhält und zum Nachdenken anregt

„Ein Mann auf der Suche nach der Wahrheit“

Vom Tod und anderen Unannehmlichkeiten: Erinnerungen an Trauer, Schmerz und Absurditäten

Nichts fasziniert und ängstigt die Menschen mehr als der Tod. Oft wird er daher verdrängt. Für jemanden, der 11.000 Trauerreden halten und genauso viele persönliche Schicksale kennenlernen musste, ist dies nicht möglich. Der Autor wurde Zeuge von Erzählungen über ungewöhnliche Lebensläufe, dramatische Schicksale, tragische Unfälle, unglaubliche Todesarten. Er traf Menschen, die von Schmerz überwältigt wurden, andere, die den Tod ihrer Angehörigen als Erlösung empfanden. Er musste Bestattungen durchführen, die zur Slapstick-Nummer mutierten oder von mysteriösen Umständen begleitet waren. Bei Hausbesuchen oder während der Trauerfeiern offenbarte sich ihm das gesamte Repertoire menschlicher Verhaltensweisen und er erlebte skurrile Zwischenfälle und absurde Reaktionen von Hinterbliebenen. Der Autor zeigt, wie nah sich oft Leben und Tod, Trauer und Humor sind. Es ist ein Buch über den Tod und wie man am besten mit ihm umgeht. Ein Buch, das zum Nachdenken, Kopfschütteln und Lächeln anregen soll und die Maxime verkündet: Das Leben ist zu kostbar, um es dem Schicksal zu überlassen.

Details zum Buch
Vom Tod und anderen Unannehmlichkeiten: Erinnerungen an Trauer, Schmerz und Absurditäten
Seiten: 174
Print & eBook
Ausgabe: Februar 2026
Verlag: Independently published
ISBN 13: 979-824337359
Erhältlich bei folgenden Anbietern

Auch bei bookrix, Thalia, ebooks und einem Dutzend anderer nationaler und internationaler Anbieter erhältlich.

Leseprobe

Leseprobe aufklappen

Als ich in der Zeitung von einem Baggerfahrer in Bayern las, der sich von seinem eigenen Raupenfahrzeug absichtlich überrollen ließ, um seinem Leben ein Ende zu setzen oder von dem 53-jährigen, der sich aus Liebeskummer (seine jüngere Partnerin hatte ihn verlassen) in seinem Auto verbrannte, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass es noch schlimmere Methoden geben könne, um Suizid zu begehen. Die erlebte Realität belehrte mich eines Besseren.

Wenn ein Autor diese Methoden in einem Kriminalroman verwenden würde, würde jeder der Leser an eine Fiktion oder letztlich an eine Straftat glauben. War es aber nicht. Diese Fälle haben mir gezeigt, wie weit ein Mensch gehen kann, der völlig verzweifelt und psychisch verwirrt ist. Beim ersten Suizid dieser schrecklichsten Form handelte es sich um einen 48-jährigen, ich nenne ihn Wolfgang, der nach einem Ehestreit und von der Frau geforderten Scheidung aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen war. Im gleichen Ort besaß das Ehepaar ein Grundstück mit Bungalow und Werkstatt. Diesen Bungalow nutzte Wolfgang als zeitweiliges Domizil. Ich hatte beim Hausbesuch nicht nur die Aussagen der Ehefrau, sondern auch eine Kopie des Polizeiberichtes, den mir die Ehefrau zum Lesen gab. Die Ehefrau erzählte mir, dass ihr Mann mit der Trennung nicht klar gekommen sei und das Ende der Beziehung nicht akzeptieren wollte. Er wäre, wie sie im Nachhinein erfahren habe, die letzten Tage auch nicht mehr zu seiner Arbeitsstelle gegangen, hätte sich rund um die Uhr betrunken und Tag und Nacht versucht, sie telefonisch zu erreichen. Da diese Gespräche stets im Streit und mit Vorwürfen und Schreien endeten, sei sie nicht mehr ans Telefon gegangen. „Hat er Ihnen einen Abschiedsbrief hinterlassen?“
„Ja, voller Vorwürfe. Ich solle in der Hölle schmoren. Und ähnliche Wünsche. Von seiner Alkoholsucht und der Tatsache, dass er unter Alkohol auch ausgerastet ist, hat er natürlich kein Wort verloren. Kein bisschen Reue gezeigt. Nur ich wäre an allem schuld.“

In dem Bericht der Polizei war die Art der Selbsttötung beschrieben. Der Todeszeitpunkt läge zwischen 16.30 und 17.00 Uhr. Als ich an dieser Stelle beim Lesen angelangt war, meinte die Ehefrau, der Psychologe hätte ihr erklärt, das wäre kein Zufall, sie würde jeden Werktag genau um diese Uhrzeit von der Arbeit nach Hause fahren und käme an dem Grundstück vorbei. „Wolfgang hat vielleicht genau auf den Augenblick meines Vorbeifahrens gewartet. Überhaupt wäre der Vorgang auch als eine Bestrafung meiner Person zu verstehen. Ich dürfte dies einfach nicht annehmen. Wolfgang wäre nicht bereit gewesen, sich zu ändern und sich seine eigenen Fehler und Versäumnisse einzugestehen. Ich solle mir keine Schuldvorwürfe machen und mein Leben durch diesen Vorfall zerstören lassen.“

Ich konnte dem Psychologen, den sie auf Anraten der Polizei aufgesucht hatte, nur beipflichten.

Wie hatte er nun sein Leben beendet? Er war in seinen Werkstattschuppen gegangen, hatte eine Flasche Wodka geleert, dann seine Kettensäge gegriffen, das Sägeblatt an der Schulter, kurz vor dem Hals angesetzt und mit großer Kraft die Säge durch den halben Körper geführt. Bis tief in den Bauchraum war das Sägeblatt eingedrungen, bevor er zu Boden gestürzt und in Sekunden tot gewesen sein muss. Da die Kriminalpolizei zunächst ein Fremdverschulden nicht ausschloss, wurden alle Details genau untersucht. Die Werkstatt war von innen verschlossen, es gab keine Anzeichen einer weiteren Person, die Haltung des Körpers, die Fingerabdrücke am Griff usw. bestätigten eindeutig die Selbsttötung, die von dem auf der Bank liegenden Abschiedsbrief untermauert wurde.

Das könnte Sie auch interessieren