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Sterben steht nicht auf meinem Tagesplan!

Für den Privatdetektiv Willi Valdez wird es immer schwieriger, sein Lebensmotto in die Tat umzusetzen. Als ein Freund bei der DEA ihn um einen scheinbar ungefährlichen Beobachtungsauftrag bittet, führt ihn dieser aus seinem Florida-Paradies direkt in die Hölle chinesischer Folterer, illegaler Transplantationskliniken und gnadenloser Triaden. Durch eine Verwechslung gerät er ins Visier von mexikanischen Drogenkartellen, kolumbianischen Killern und verschiedenen Geheimdiensten. Aber das Wort „aufgeben“ kennt er nicht, weil er weiß:

Was mich nicht umbringt, macht mich stärker! Und mit jedem Tag kommt er dem völlig unerwarteten Ende näher.

 

Taschenbuch bei AMAZON:      12,51 €

ISBN Nr.  978-1692038380

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Blick aus der Tian Bar auf den Perl Fluss von Guangzhoun.

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Frank Tenner in der Tian Bar des IFC Towers von Guangzhoun.

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In der Tian Bar des Four  Seasons, in welcher Willi Valdez das mögliche Treffen des verschwundenen Peter Logan mit dem chinesischen Firmenchef Liu beobachten sollte.

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Blick aus der Tian Bar in der 99. Etage des Finanz Towers von Guangzhoun auf den Canton Tower und das Zentrum der Stadt.

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Blick aus der 99. Etage ins Innere des Internationalen Finanzturmes von Guangzhoun.

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Blick aus der Tian Bar auf das Wahrzeichen von
Guangzhoun, den Canton Tower.

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Das Internationale Finanzzentrum von Guangzhoun, in welchem sich von der 78. Bis 99. Etage das Four Seasons Hotel befindet, in dem Willi Valdez ein Apartment gemietet hatte.

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Durch diese Gasse der Altstadt musste Willi Valdez mit seinem Begleiter Mian vor einem motorisierten chinesischen Polizisten fliehen.

 

 

Leseprobe:

Als er langsam zu sich kam, sah er kein weißes Licht, auch kein helles, loderndes Feuer. Er sah zunächst gar nichts. Erst nach einer Minute hatten sich seine Augen an das Halbdunkel gewöhnt und konnten Informationen ans Gehirn senden. Das spärliche Tageslicht drang durch zwei schmale Fenster im oberen Teil der hinteren Wand. Er atmete tief ein, die Luft war warm, stickig und verbraucht, wahrscheinlich kam nur Sauerstoff in den Raum, wenn die Tür geöffnet wurde. Er hätte in diesem Augenblick einhundert Dollar für einen Schluck kaltes Wasser bezahlt. Zweihundert für eine Cola und tausend Dollar für einen guten Whiskey. Sein Mund war völlig ausgetrocknet, die Kehle brannte. Er musste sich noch immer in einem grässlichen Traum befinden. Die festgezurrten Lederriemen an Armen, Beinen und Oberkörper bildeten aber einen schmerzlichen Beweis für die Realität des Erlebten. Er lag auf einer Aufwachliege. Die Seitenteile hatte man hochgestellt und seinen Körper mit verstellbaren Lederriemen fixiert. Er war nach einem Unfall und einer notwendigen Operation als Kind auf einer ähnlichen Liege aufgewacht. Nur hatte man ihn nicht gefesselt. Und man wollte ihn damals ins Leben zurückbringen. Er erinnerte sich noch genau an die tröstenden Worte der Krankenschwester, die ihm versicherte, es werde alles wieder gut.

Hier schien man nicht unbedingt, seine Rekonvaleszenz und sein Wohl im Auge zu haben.

Im Unterschied zu dem Folterstuhl vermochte er zumindest, den Kopf leicht anzuheben und nach beiden Seiten zu drehen. Den Siegelring hatte man ihm immer noch nicht abgezogen, aber eine Rasierklinge oder ein scharfes Messer hätte er dieser nutzlosen Miniwaffe vorgezogen. Er musterte den vielleicht vierzig Quadratmeter großen Raum. Es gab, wie in dem Kellerverlies, keine Einrichtungsgegenstände. Zu seiner Linken befand sich eine glatte Betonwand, zur Rechten in Richtung der einzigen Tür, standen noch drei weitere Liegen, auf denen menschliche Körper lagen, die bis zum Hals mit dreckigen Laken zugedeckt waren. Die Gesichter waren abgewandt, allerdings ließen die Kopfform und die kurzen schwarzen Haare vermuten, dass es sich um männliche Asiaten handelte.

Der Mann auf der Liege neben ihm stöhnte leise und bewegte seinen Kopf. Willi sprach ihn an: „Können Sie mich verstehen?“

Der Angesprochene drehte langsam sein Gesicht nach links. „Ja. Wer sind Sie? Amerikaner?“

Das Englisch klang nicht so perfekt wie bei Chao Dan, aber Willi war froh, überhaupt eine Kommunikation führen zu können. Seine drei, vier Worte chinesisch, die er auswendig gelernt hatte, hätten ihm an dieser Stelle kaum weitergeholfen. „Ja. Ich bin Amerikaner. Mein Name ist Willi Valdez. Wie ist Ihr Name? Und warum sind Sie hier?“
„Sie wissen nicht, warum man Sie hierher geschafft hat? Sind Sie ein Agent?“

„Ein Agent? Nein. Ich bin Geschäftsmann. Ich war auf der Kantonmesse. Man hat mich entführt. Vielleicht will man Lösegeld erpressen. Aber warum sind Sie hier?“

„Mein Name ist Mian. Ich bin hier, weil ich den falschen Glauben besitze.“

„Was meinen Sie damit?“

„Ich bin Mitglied der Falun Gong. Haben Sie den Namen schon einmal gehört?“
„Ich glaube, es handelt sich um eine Organisation, die von den Kommunisten verboten wurde.“

„Ja. Bereits vor fast zwanzig Jahren. Aber keine Organisation, sondern eine spirituelle Praxis, die helfen will, den Menschen tugendhafter zu machen. Wir sind keine Gegner irgendeiner staatlichen Ordnung. Wir meditieren, um Erleuchtung zu finden, nicht um eine staatliche Ordnung zu stürzen. Wir leben im Einklang mit dem Kosmos und predigen Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht.“

„Und deshalb werden Sie verfolgt?“

„Wir sind zu stark geworden. Unsere Bewegung zählt Millionen von Anhängern. Unsere Prinzipien gefallen den kommunistischen Herrschern nicht und sie dulden keine Praxis, die vom Staat unabhängig ist.“

„Und warum hat man Sie hierher gebracht? Wissen Sie überhaupt, wo wir uns befinden?“

„Ja. In einer Klinik irgendwo im Südwesten, vermutlich auf dem Lande in der Nähe von Shenzen, ich konnte einmal durch einen Spalt in der Lastwagenplane ein Straßenschild erkennen. Wir sind mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Transplantationsklinik. Eine von fast zweihundert. Nicht alle werden solche widerlichen Dinge durchführen, aber doch mehr als genug. Meine Brüder haben mir berichtet, man hätte einen ganzen Industriezweig entwickelt. Eine Industrie, halbstaatlich, halbprivat, legal und illegal, die auf Blut aufgebaut ist. Ich bin am Ende meines Weges angekommen. Meine beiden Glaubensbrüder neben mir hat man beim Absteigen vom Laster einen Genickschuss verpasst, sie wird man bald holen, um sie, solange die Organe noch frisch sind, auszuweiden wie Wild. Ich war fast drei Jahre in einem Umerziehungslager. Ohne Gerichtsverhandlung. Ein Polizist hat mich beim Ausüben spiritueller Übungen gesehen und zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt. Solche Macht haben Polizeibeamte bei uns. Aber sie konnten mich nicht umerziehen, ich gebe meinen Glauben nicht auf. Das hat sie am meisten geärgert. Sie haben mich hierher geschafft und nicht erschossen, sondern nur niedergeschlagen. Ein schneller Tod wäre in ihren Augen keine ausreichende Strafe. Wahrscheinlich werden sie mich bei vollem Bewusstsein aufschneiden und meine Organe entnehmen. Aber ich fürchte mich nicht. Mein Karma ist gewachsen und ich werde mich bald in einem neuen Leben wiederfinden.“

Willi lief ein Schauder über den Rücken. „Das ist nicht Ihr Ernst? Wir leben im 21. Jahrhundert. China ist ein hochmoderner Staat.“

„Ja. Hochmodern in Bezug auf Verfolgung, Demütigung und Folter. Die gefährlichste und mächtigste Diktatur in der Geschichte der Menschheit, eine, die die ganze Welt erobern will. Allein durch viele Milliarden oder Billionen aufgehäufter Dollar. Sie kaufen sich die Politiker in allen Ländern. Bei den armen Staaten haben sie begonnen. Afrika ist schon in ihrer Hand. Ich habe einem Freund, der in Texas studiert hat und dort an einem Institut arbeitet, schon vor Jahren von den Gräueltaten in unserem Land berichtet und er hat den amerikanischen Kongress eine Petition geschickt. Die Abgeordneten haben auf diese und Hunderte anderer Eingaben auch reagiert und 2016 eine Untersuchung angeordnet. Nur die Ergebnisse haben keinen wirklich interessiert oder zumindest keine Gegenreaktion ausgelöst. Ihre Landsleute wollen wie die Europäer Geld verdienen, sie drücken die Augen absichtlich zu, was interessieren sie irgendwelche buddhistischen Mönche, Uighuren oder Regimekritiker? Aber ich verzeihe ihnen, sie haben noch nicht den rechten Weg gefunden. Nachsicht ist eine der größten Tugenden. Die Wahrheit wird sich früher oder später durchsetzen. Aber ich hätte nicht für möglich gehalten, dass die Beamten auch einen Amerikaner an solch einen Ort bringen. Man wird Sie doch vermissen und Ihre Botschaft wird Erkundigungen einziehen? Es könnte diplomatische Verwicklungen geben?“

Bevor Willi antworten konnte, hörte man, wie ein schwerer Riegel aufgeschoben wurde. Der Chinese drehte sich sofort zur anderen Seite und stellte sich bewusstlos. Auch Willi hielt es für besser, Bewusstlosigkeit vorzutäuschen.

Man konnte mehrere Stimmen vernehmen, es mussten mindestens drei oder vier Männer den Raum betreten haben. Sie sprachen wild und laut durcheinander, alle Worte klangen für Willi gleich. Ein Strom unverständlicher, fremdartiger Laute. Ihm fiel der Spruch eines Philosophen ein, der den berühmt gewordenen Satz prägte: Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt. Seine Welt kam ihm in diesem Augenblick winzig vor. Er konnte nicht einmal aus dem Tonfall auf einen Bruchteil des Inhaltes der Konversation schließen. Nur auf das Geschlecht und den Gemütszustand der Sprechenden. Sie schienen gut gelaunt zu sein. Wahrscheinlich liebten sie ihre Arbeit. Oder wurden gut dafür bezahlt.

Einer rüttelte kräftig, fast übermütig, an Willis linkem Fuß, der unter dem Laken hervorlugte. Die anderen lachten, als hätte ihr Kollege den besten Scherz der Welt gemacht. Willi musste seine ganze Beherrschung zusammennehmen, um bewegungslos liegen zu bleiben und nicht loszuschreien. Es war gut, dass er gefesselt war, er wäre sonst zum Mörder geworden.

Man konnte das Quietschen von schlecht geölten Rädern hören und das Hin-und Herschieben von Liegen. Dann wurde die Tür zugeschlagen und der Riegel von außen wieder vorgeschoben.

Willi wandte seinen Kopf seinem Leidensgenossen zu. „Was haben die Kerle gesagt?“

„Sie bringen die Toten in den Operationssaal. Anschließend machen sie ihre Mittagspause. Wir sind keine dringenden Fälle, da wir noch leben. Erst werden sie mich, danach Sie holen. Der eine meinte, hoffentlich wacht dieser Baizuo, das ist ein Schimpfwort für weiße Ausländer, während der Operation auf, dann könne er vielleicht sein eigenes Herz schlagen sehen. Der Wärter sprach einen Fluch aus: Wi xiwang ni man man si, dan kuai dian xia di yu. Er wünschte Ihnen einen langsamen Tod und eine schnelle Fahrt in die Hölle. Das sind blinde, fehlgeleitete Menschen ohne Gewissen. Man kann sie nur bedauern. Wir sind denen ausgeliefert und können nichts machen.“

„Wir müssen etwas tun. Ich gedenke nicht, mich einfach abschlachten zu lassen.“

„Ich bewundere den Optimismus von euch Amerikanern. Was ist mit Ihren Bekannten oder Geschäftspartnern? Wird man Sie nicht als vermisst melden und suchen?“

„Irgendwann sicher. Aber bestimmt nicht rechtzeitig. Und an solch einem Ort wird man mich bestimmt nicht vermuten.“
„Da haben Sie leider recht. Wenn Sie kein Agent sind, verstehe ich nicht, warum man Sie töten will. Und selbst dann hätte man die Möglichkeit, Sie später gegen chinesische Agenten auszutauschen. Die Regierung vermeidet im Normalfall diplomatische Verwicklungen mit den Amerikanern oder anderen wichtigen Handelspartnern. Was haben Sie denen getan, dass man Sie umbringen will?“

„Gar nichts. Es handelt sich wahrscheinlich auch nicht um Regierungsbeamte. Gangster haben mich entführt und mich mit einem anderen Namen angesprochen, wahrscheinlich verwechselten sie mich. Als sie ihren Irrtum bemerkten, wollten sie einen Zeugen loswerden und haben mir ein starkes Betäubungsmittel verpasst und hierher schaffen lassen.“

„Das ist durchaus möglich. Die Triaden verkaufen manchmal ihre Gegner für viel Geld an Kliniken. Ein doppelter Gewinn. Man vernichtet einen Gegner und bekommt dafür noch Geld. Und die Mitglieder dieser Banden interessieren sich nicht für Diplomatie. Tut mir sehr leid für Sie, nicht alle Menschen in unserem Land sind so böse und gewissenlos. Aber zurzeit hat das böse Prinzip die Oberhand. Ich hoffe, Sie sind ein gläubiger Mensch und haben keine Angst vorm Sterben?“

„Wer hat die nicht? Außer Ihnen vielleicht. Ich habe aber noch nicht die Absicht zu sterben. Mein Herz gehört mir. Oder bestenfalls meiner Verlobten. Nicht diesen Banditen. Ich kenne zwar das Wort, aber nicht die Bedeutung von aufgeben.“

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