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Kopfneu

Gerechtigkeit hat einen Namen
Ein Mann und seine Detektei gegen die Welt des organisierten Verbrechens  

Band3 beide kleiner

Frank Tenner, ein in Florida lebender deutscher Schriftsteller und Chef der Detektei Mackintosh und Co. in Miami, plant schon seinen Abschied vom Detektivgeschäft, als eine ehemalige Klientin ihm den Auftrag seines Lebens anbietet. Er soll die Umstände des Todes ihres Mannes, eines einflussreichen amerikanischen Bankiers, aufklären.
Tenner erhofft sich durch die Annahme des Auftrages, auch Hinweise auf die wahren Ursachen des Finanzcrashs im September 2008 zu finden. Er ahnt, dass die Spurensuche sich äußerst schwierig und gefährlich gestalten könnte. Was dann aber bei der Mörderjagd, die ihn auch nach Kolumbien und Thailand führt, auf ihn und seine Mitarbeiter zukommt, sprengt seine Vorstellungskraft und übersteigt seine bisherigen, keineswegs unblutigen Erfahrungen.
Er bekommt es mit Auftragskillern, einer kriminellen Sekte und korrupten Polizisten und Richtern zu tun und stößt auf die SCAN, den mächtigsten Geheimbund der Welt. Nachdem der Detektei die Lizenz entzogen wird und auch Tenners Lebensgefährtin ins Visier der Killer gerät, gibt er seine bisherigen moralischen Grundsätze auf und stürzt sich mithilfe seiner Freunde in ein tödliches Endspiel ohne alle Regeln und Gesetze, indem es nur noch ein Ziel gibt: Am Leben zu bleiben.

als eBOOK bei amazon: Kindle-Kaufpreis:  4,99 EUR

oder als Druckausgabe, Taschenbuch: 15,92 EUR

ISBN-10:  1500845388
ISBN-13: 978-1500845384

Als Ebook auch bei bookrix, Thalia, Weltbild, ebooks und einem Dutzend anderer nationaler und internationaler Anbieter erhältlich.

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Frank Tenner

  Band 3 der Tenner-Trilogie

“Highway to Hell”    Frank Tenners letzter Fall

Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier!
                                          William Shakespeare

Frank Tenner plant schon seine Geburtstagsfeier im Mai 2011 und den Abschied vom Detektivgeschäft, als eine ehemalige Klientin ihm den Auftrag seines Lebens anbietet. Er soll die Umstände des Todes ihres Mannes, eines einflussreichen amerikanischen Bankers, aufklären. Obwohl er seiner Lebenspartnerin versprochen hat, nicht mehr selbst zu ermitteln, wird Tenner das erste Mal in seinem Leben wortbrüchig. Es sind nicht in erster Linie die versprochenen zwei Millionen Dollar Honorar, die ihn zu diesem Schritt bewegen, sondern die Aussicht, Hinweise auf die wahren Ursachen des Finanzcrashs im September 2008 zu finden.
Bei der Annahme des Auftrags ahnt Tenner, dass die Spurensuche sich äußerst schwierig und gefährlich gestalten könnte, was dann aber auf ihn und seine Mitarbeiter einstürzt, sprengt selbst seine Vorstellungskraft und übersteigt seine bisherigen, keineswegs unblutigen Erfahrungen.
Er bekommt es nicht nur mit einer obskuren Sekte zu tun, angeheuerten Killern und korrupten Sicherheitsbeamten und Staatsbediensteten, sondern auch mit einer mächtigen Geheimorganisation, die im Hintergrund die Fäden der Politik in den Händen hält und für das Ende der Detektei Mackintosh Co. sorgt. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf beginnt, bei dem Tenner zu der Überzeugung kommt, dass die Hölle alle bösen Buben auf einmal ausgespieen und nach Florida gesandt haben müsse.
Er fühlt sich auf verlorenem Posten, aber getreu seinem Motto:
Wenn ich sterben muss, dann nicht als sabberndes Weichei, sondern als Mann mit erhobenem Haupt, stürzt er sich mithilfe seiner Mitarbeiter und Freunde in ein tödliches Endspiel ohne alle Regeln und Gesetze.

Link zu der Leseprobe

1

Tenner und seine Lebenspartnerin Joanne haben sich nach dem erzwungenen Auszug aus Margate, für zwei Jahre eine kleine Villa direkt an einem der Kanäle von Fort Lauderdale gemietet.

 

2 Kapelle4

Das Gemeindehaus der Sekte Children of Bethlehem auf den Keys. In dem unterirdischen Verließ dieses Gebäudes wurde Tenner mehrere Tage festgehalten und Drogen ausgesetzt.

3

Skyline von Miami.

4

Die A1A in Höhe von Hollywood Beach Richtung Miami Beach.

5

Das Hollywood Beach Theater. Hier erfolgte der Angriff von drei jugendlichen Killern auf Tenner und seinen Bekannten vom FBI.

6

Nach dem Angriff auf Tenner und Norris traf in wenigen Minuten ein Rettungswagen ein, der den verletzten Beamten ins Hospital brachte.

7

Der Kanal von Hollywood Beach während der untergehenden Abendsonne.
Hier gehen Tenner und seine Lebenspartnerin oft spazieren.

Sekte1

Frank Tenner konnte in Südwestthailand das streng bewachte Gelände der Sekte "Die Kinder Bethlehems" ausfindig machen. Die bitteren Erfahrungen mit dieser Organisation sind im 3. Band verarbeitet.

Schlange

Frank Tenner musste feststellen, dass die wirklich gefährlichen Schlangen nicht in Thailands Dschungel
leben und nicht einmal Reptilien sind.

Lignose 15K sw

Diesmal muss Tenner eine weitere, die letzte Kerbe in seine Lieblingswaffe einritzen.
 

Mazda

Tenners Lieblingsauto, der RX8, ist diesmal nicht das Einzige, das dem großem Geld zum Opfer fällt.

Mein erstes Mal

Leseprobe (kostenlos) als eBook auf BOOKRIX

Mein erstes Mal
3600 Sekunden in den Händen von Madam Pornpin

Frank Tenner möchte sich vor seiner Rückreise nach Florida noch etwas entspannen. Aber dann kommt alles ganz anders. Die 60 Minuten in den Händen der Thailänderin Pornpin werden für ihn zu einer echten
Herausforderung und unvergesslichen Erfahrung.

für die Freiheit

Ficken für die Freiheit        BOOKRIX
Frank Tenner in den Händen Marias

Frank Tenner erwacht im Verließ der Sekte ”Die Kinder Bethlehems”.
Ein  langer und qualvoller Drogentod scheint ihm bevorzustehen.
Eine Befreiung ohne äußere Hilfe ist unmöglich. Er sieht seine einzige Chance in der Manipulation seiner Wärterin Maria.
Es beginnt ein psychologisches Duell, bei dem Tenner alle bisherigen  moralischen Prinzipien und seine männliche Würde aufgibt und bereit ist, für die Freiheit und sein Leben auch auf ihre sexuellen Fantasien und  Forderungen einzugehen.
Ein sexueller Albtraum beginnt.

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Die geheimnisvolle Sanduhr      AMAZON

Frank Turner wird durch eine 1990 in einem Pariser Antiquariat erstandene Sanduhr am 24. Dezember 2008 um ein Jahr seines Lebens zurückversetzt. Er glaubt, mithilfe seiner Zukunftskenntnisse auf die Geschehnisse, so die Finanz- und Wirtschaftskrise, Einfluss nehmen und sein Wissen zur Verbesserung seiner materiellen Situation nutzen zu können. Stattdessen gerät er infolge seiner politischen Bemühungen ins Visier eines diabolischen „Global Players“ und seiner Helfer. Als Frank Turner die Uhr ein zweites Mal nutzen will, um diesen mysteriösen Kräften zu entkommen, gerät er plötzlich ins Jahr 1978. Eine Parforcejagd durch die Geschichte beginnt. Er muss noch einmal den oft paradoxen DDR-und den Leipziger Universitätsalltag, eine blutige Afghanistanreise, den Florida-Wirbelsturm Andrew, den 11. September 2001 und private Erschütterungen miterleben. Er versucht, Änderungen seines persönlichen Lebens herbeizuführen, Katastrophen und Anschläge wie das Attentat auf John Lennon zu verhindern und dem Geheimnis der Sanduhr und dem der Zeit auf die Spur zu kommen. Als er die Grenzen seines Verstandes und seiner Fähigkeiten erreicht hat und schon zu verzweifeln droht, offenbart sich ihm der Sinn seiner Zeitreisen und er stürzt sich in den Kampf, um einen teuflischen Anschlag zu vereiteln.

als eBOOK (EUR 3,45)      oder      

Taschenbuch  (EUR 11,67)
  ISBN-10: 150055619X
  ISBN-13: 978-1500556198

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Das Bildnis der Zigeunerin
- Eine teuflische Novelle

Frank Steiner, Chef einer Berliner Computerfirma, verliebt sich in das Porträt einer wunderschönen Zigeunerin. Nach zehn Jahren unerfüllter Liebensbeziehungen und gescheiterter Ehe beschließt er, das reale Modell des Malers zu suchen. Es beginnt eine moderne Odyssee, die von Berlin nach Rumänien führt. Dort trifft er skurrile Menschen, die ihm auf seiner Suche weiterhelfen. Dem Hinweis einer Roma-Wahrsagerin folgend, fliegt er bis nach Miami und schließt einen Pakt mit Papa Orula, einem geheimnisvollen Voodoo-Priester. Als kurz darauf die schöne Isabelle tatsächlich in sein Leben tritt, beginnt der teuflische Wahnsinn erst richtig. Frank Steiner muss noch einmal nach Florida zurückkehren, um sich der Schwarzen Magie zu stellen und die wahre Liebe zu finden.

als eBook (EUR 2,49) bei amazon

Als Ebook auch bei bookrix, Thalia, Weltbild, ebooks und einem Dutzend anderer nationaler und internationaler Anbieter erhältlich.

Leseprobe aus  Band 3:

“Highway to Hell”

Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier!
                       
William Shakespeare

Prolog

Man hatte mir offenbar mit einer Axt den Kopf gespalten.
Ich spürte die breite Furche in der Schädeldecke.
Vor meinen Augen tanzten dicke rote Kreise. Vielleicht war es geronnenes Blut, das mir die Augen verklebte.
Ich hatte irgendwann gelesen, dass es einige Philosophen gegeben haben soll, die fest davon überzeugt waren und dies auf Hunderten von spannenden Seiten ausführten, dass keine Welt außerhalb unseres Bewusstseins existiere. Mit unserer Wahrnehmung würde auch das verschwinden, was wir Realität nennen würden.
Sie schienen gar nicht so falsch zu liegen. Bis vor wenigen Augenblicken hatte es keine Welt gegeben. Jetzt hatte ich Wahrnehmungen und reflektierte über sie, es musste mich also geben, in welchem Zustand auch immer. Aber wer war ich und konnte ich eine Welt außerhalb meines schmerzenden Kopfes entstehen lassen? Ich lenkte meine Gedanken auf das, was man Körper nennt. Besaß ich Arme und Beine? Konnte ich sie bewegen?
Ich spürte mein Herz stärker schlagen. Toll. Ich besaß ein Herz, warum dann nicht auch Gliedmaßen?
Ich konzentrierte mich und spielte mit den Fingern. Es funktionierte. Im Zeitlupentempo hob ich meinen rechten Arm, er war beweglich, wenngleich voller brennender Schmerzen. Mit den Fingern befühlte ich meinen Kopf. Die Berührung dieser Stelle ließ mich zusammenzucken. Ich konnte keinen Spalt in der Schädeldecke wahrnehmen. Nur einen stechenden Schmerz bei Berührung des mittleren Kopfteiles. Vielleicht war die Axt an meinem Dickschädel abgerutscht oder hatte ihr Ziel nicht genau getroffen. Mit größter Anstrengung versuchte ich, die Augen zu öffnen, die roten Tanzringe verschwanden, und überließen ihren Platz einem Schwarz, das den berühmten Löchern ihren Namen gegeben haben musste. Nicht einmal ein winziges Lichtfünkchen drang nach außen oder in die Fotorezeptoren meiner Augen.
Was für eine Welt hatte ich geschaffen? Schwarz, undurchdringlich mit einem schmerzenden Körper und einem versehrten Geist im Inneren des Loches. Warum war ich zum Weltenschöpfer geworden, was bedeutete ich? Ich. Ich. Ich.
Ein Name entstand vor einem geistigen Auge. Frank. Ich war Frank. Mit dem Namen kam die Identität. Ich war Ich.
Die Synapsen begannen, auf Hochtouren zu arbeiten.
Erst tauchten einzelne Bilder auf, dann bildete sich ein Erinnerungsstrom. Dann folgte die Logik. Ich war am Leben. Wenngleich in einem sicher desolaten, bemitleidenswerten Zustand. Nicht das erste Mal, seit ich begonnen hatte, Detektiv zu spielen. Was hatte ich bloß angestellt, um von einem schwarzen Loch verschluckt zu werden? Ich ließ den Film zurückspulen, erst gab es nur Bilderfetzen, dann Filmabschnitte mit vielen Aussetzern und Rissen, schließlich stabilisierte sich das Bild und ich konnte den Film in voller Länge und ohne Unterbrechungen sehen.
Und von Anfang an, nur der Titel war mir entgangen und das Ende kannte ich noch nicht.
Ich sah mich selbst im Paradies, aus dem ich ohne einen Apfel gepflückt zu haben, aber dennoch nicht schuldlos, vertrieben werden sollte.

Prolog Ende

                                      ...

27. Kapitel
 

Ich war pünktlich eine Minute vor zehn in der 29. Etage des beeindruckenden Wolkenkratzers der Warwick-Bank.
Das Vorzimmer mit den beiden hübschen, in meinen Augen etwas zu schlanken, sehr elegant gekleideten Sekretärinnen, hätte mancher Villa in Palm Beach Ehre gemacht. Die farbenfrohen Bilder an den Wänden waren sicher keine Andy-Warhold-Fälschungen. Und die Einrichtung war in keinem Möbelkaufhaus erstanden. Wahrscheinlich sollten die Besucher schon beim Betreten des Raumes spüren, dass das Geld, das in vielen Ländern fehlte, hier gut und reichlich angelegt war. Auf der Couch, auf der mich die Brünette platzierte, hätte ich meine Fußballmannschaft aus Abiturtagen unterbringen können. Die beiden Damen schauten hin und wieder möglichst unauffällig zu mir herüber. Ich spielte mit meinem Handy. Um eine Minute vor halb elf hatte ich genug von Back Gammon und von der Bittstellerposition.
„Sagen Sie Ihrem Chef, ich könne nicht länger warten, ich hätte noch einen anderen dringenden Termin.“
Die beiden Barbies blickten mehr erstaunt als erschrocken, wahrscheinlich hatte ich eine Premiere eingeleitet. Wer hier wartete, wartete geduldig und bis er an der Reihe war. Oder der Boss ihn lange genug hatte schmoren lassen.
Die Brünette wandte sich mit einem gut einstudierten Lächeln an mich. „Mister Morgan hat noch wichtige Telefongespräche zu führen. Aber ich werde ihn über Ihre Absicht in Kenntnis setzen.“
„Das wäre sehr reizend von Ihnen.“
Meine Ungeduld und mein Auftreten zeigten Erfolg. Zwei Minuten später betrat ich das lichtdurchflutete Büro. Statt einiger Fenster gab es auf drei Seiten riesige, vom Fußboden bis zur Decke reichende Scheiben.
Im Vergleich zu diesem Rundumblick wirkte meine Fensteraussicht in der Detektei wie der Blick aus einem Bullauge eines mittelgroßen Flussdampfers. Ralph Morgan sah meine unverhohlene Bewunderung. Er wirkte heute sehr ruhig und gelassen, die Nervosität des gestrigen Abends war ihm nicht mehr anzumerken.
„Ich liebe Sonne, Licht und Glas.“
„Ich auch. Und Pünktlichkeit. Ich gehöre nicht zu einer gesellschaftlichen Schicht, deren Vertreter man vor den Türen herumlungern lässt.“
„Wenn ich Ihren Anzug sehe, Mister Tenner, bin ich geneigt, Ihnen recht zu geben. Ihren Schneider müssen Sie mir verraten. Einen Detektiv kann man ruhig warten lassen, Sie sehen nicht aus wie ein gewöhnlicher Schnüffler. Ich habe natürlich einige Erkundigungen eingezogen. Sie kommen aus dem Land der Dichter und Denker. Haben eine ausgezeichnete Bildung und sind, etwas ungewöhnlich, Detektiv und Schriftsteller. In welcher Eigenschaft sind Sie bei mir? Detektiv oder Schriftsteller? Eintänzer? Oder Erpresser und Geldeintreiber? Wer sind Sie wirklich? Ich darf doch Frank sagen? Aber bevor wir uns unterhalten, übrigens ist dieser Raum abhörsicher, nur zu Ihrer Information und Beruhigung, möchte ich Ihnen natürlich einen Platz anbieten. Vielleicht diesen wundervollen gelben Designersessel? Kostet so viel wie ein Mittelklassewagen. Wie wäre es mit einer Erfrischung? Kann ich Ihnen vielleicht ein Glas Wein einschenken? Ich kenne einige Ihrer Gewohnheiten. Sie lieben Wein.“
„Wohl wahr. Ich liebe Wein. Aber nicht am Morgen. Danke für das Angebot. Alkohol am Morgen schmeckt mir nicht. Ich trinke in den Abendstunden ein oder zwei Gläser Riesling oder auch mal einen guten Weißburgunder, am liebsten Weine aus dem Frankenland, einer Region meiner Heimat.“
„Sie sind Weinspezialist, Frank. Ein Genießer. Das finde ich gut. Mir ist, da bin ich ganz offen und uneitel, die Qualität des Weines vollkommen egal. Wissen Sie, Frank, was das Allerwichtigste im Leben ist?“
Ich wusste es. Mein Großvater hatte mich an seiner Lebensweisheit und Erfahrung teilhaben lassen. Als er einmal einige Gläser Bier zu viel getrunken hatte, öffnete er seine Weisheitsschatulle. „Mein Junge, eines solltest du dir unbedingt hinter die Ohren schreiben und immer beherzigen: Es gibt für einen Mann nur zwei Dinge, die sein Leben entscheidend prägen und die wirklich erstrebenswert sind. Das sind die zwei großen M´s!“
Ich muss etwas ratlos geschaut haben. Obwohl ich das Alphabet kannte. Als ob ich seine Ausführung akustisch nicht richtig verstanden hatte, fragte ich: „Die zwei großen M´s?“
„Ja, mein Sohn. Moos und Möschen.“
Moos und Möschen. Mein Großvater war ein schlauer Mann. Ich reduzierte aber in dieser Situation seine Weisheit auf eines der beiden M`s: „Geld?“
Ralp Morgan lächelte. „Nein. Zumindest nicht zuerst. Am wichtigsten ist ein geregelter Stuhlgang. Ansonsten wird man nervös und konzentriert sich nur noch auf seine eigene Scheiße, Entschuldigung für den vulgären Ausdruck, ich meine auf seine eigene Befindlichkeit. Anstatt lieber auf die Umwelt zu achten. Um Geld, das ganz große Geld zu machen, braucht man gute Nerven. Und die hat man nur bei einem geregelten Stuhlgang. Mein persönliches Geheimrezept für diesen Stuhlgang sind zwei Gläser Chardonnay am Morgen. Ob dieser aus Kalifornien kommt, Südafrika, Australien oder aus Ihrem Heimatland ist mir ziemlich egal. Kaum habe ich die Gläser getrunken, kann ich die Toilette aufsuchen und fühle mich wohl, gereinigt und vermag mich auf die Börsenkurse zu konzentrieren und mein Kapital zu vermehren. Eine einfache Lebensphilosophie, zugegeben, aber sehr realitätsnah und erfolgreich. Ich denke, im nächsten Jahr schaffe ich es unter die Top Einhundert der Spitzenverdiener dieser Welt.
„Gratulation. Das ist doch ein wirkliches Lebensziel. Gut scheißen zu können und die steigenden Zahlen auf dem Konto zu beobachten.“
„Aus Ihrem Sarkasmus entnehme ich, dass Sie einen guten Stuhlgang haben und an ihn keinen einzigen Gedanken verschwenden müssen und dass Sie nicht besonders viel vom Geld halten. Diese Haltung begegnet mir meist bei Menschen, die sich mit Geld leisten können, was sie wollen. Ich glaube kaum, dass Sie so sprechen würden, wenn Sie einer der vielen Penner wären, die nachts unter einer der Brücken der Stadt kampieren müssen.“
„Sie irren, ich weiß den Wert des Geldes sehr wohl zu schätzen und ich verachte niemanden, der viel Geld verdient oder verdienen will. Nur, wenn es zum Selbstzweck wird und der Allgemeinheit entzogen und auf Kosten der Gesellschaft gehortet oder gegen sie verwendet wird, bekomme ich Bauchschmerzen und möchte das tun, was Sie jeden Morgen so glücklich macht.“
„Auf Kosten der Allgemeinheit? Sie sind wohl Liberaler oder noch schlimmer, ein Sozialist?“
„Gott bewahre, Mister Morgan. Ich liebe nichts mehr als die individuelle Freiheit. Außerdem bin ich kein Atheist. Das Erste ist mit Sozialismus unvereinbar, das Zweite ihm wesenseigen.
Aber mit Freiheit und Gottesglauben ist ein weiterer Begriff untrennbar verbunden: der der Verantwortung. Damit meine ich soziale Verantwortung. Dieser Begriff scheint für Leute wie Sie ein Fremdwort zu sein.“
„Sie ergreifen doch nicht etwa Partei für den Pöbel, für die hirnlose Masse, der man alles einreden kann?“
„Nein, für die, die ihr Hirn benutzen und dennoch keine Chance haben, es sinnvoll einzusetzen, weil es Leute wie Sie gibt, Mister Morgan, die dies mit unlauteren Methoden verhindern. Die ein Spiel spielen und sich nicht an dessen Regeln halten.“
„Sagen Sie doch Ralph, wir sind in keiner Aufsichtsratssitzung, Frank. Um Ihnen etwas zu helfen: Es gibt in diesem Spiel nur eine einzige Regel – der Gewinner legt die Regeln im Nachhinein fest und bestimmt den Beginn des nächsten Spiels. Es ist ein Spiel für Übermenschen, nicht für hirnlose Proleten oder für intellektuelle Idealisten wie Sie.“
„Gut Ralph. Sie haben damit selbst die Regeln festgelegt, ich habe sie verstanden. Es geht ums Gewinnen, der Sieger schreibt rückwärtig die Geschichte des vergangenen Spieles oder aller Spiele.“
„Sagen wir lieber, er schreibt die Interpretation für die Zeitgenossen und die nachfolgenden Generationen vor.“
„Sie wollten wissen, wer ich bin? Eine Frage, die ich mir in den letzten Jahren des Öfteren gestellt habe. Sagen wir es so, ich bin jemand, der versucht, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Der einen Weg finden will aus einem fast undurchdringlichen Dickicht, gewissermaßen ein philosophischer Schnüffler.“
„Klingt richtig poetisch. Sie sollten Dichter werden.“
„Bin ich, manchmal zumindest. Aber ich bin heute nicht als Poet bei Ihnen, sondern als Wahrheitssucher, egal ob Sie mich als Detektiv ansehen oder nicht. Die Lizenz ist aber echt.“
„Wahrheit? Was ist Wahrheit? Können Sie es mir verraten?“
„Die alte Pontius-Pilatus-Frage, klug und die reale Welt mit ihren komplizierten Strukturen als Grundlage und doch gleichzeitig zynisch und überheblich, die Antwort in der Frage schon negierend und lächerlich machend. Ich muss aber zugeben, diese Frage und die Art, sie zu stellen, passt zu Ihnen.“
„Sie passt zu mir und zur realen Welt. Und Sie? Wollen Sie mir jetzt etwas über die absolute oder göttliche Wahrheit erzählen? Als ob es etwas Feststehendes und Immergültiges gäbe? Wahrheiten sind doch nur noch nicht erkannte Irrtümer.“
„Nein. Ich will Ihnen nur etwas erzählen über den Glauben an die Wahrheit und die Notwendigkeit, sie zu suchen. In großen und in kleinen Dingen.
„Lächerlich. Wahrheiten sind nur Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind.“
„Irrtümer. Illusionen. Alte Sprüche. Nietzsche. Höre ich in Ihren Kreisen immer wieder. Scheint der Guru der Mächtigen oder zumindest der Machthungrigen zu sein. Dabei war dieser Dichterphilosoph selbst doch nur ein zorniger, enttäuschter, trauriger Mann, der an Gott und der Welt verzweifelte und doch so gern geglaubt hätte. Wenn Sie schon beim Zitieren sind, möchte ich Ihnen mit Pestalozzi antworten: Wer kein Herz für die Wahrheit hat, dessen Kopf nimmt früher oder später der Teufel. Ihren Kopf scheint er schon längst zu besitzen.“
„Sie könnten Mitglied in unserem Club werden, Ihr Geist ist scharf, pointiert und unterhaltend. Die Konversation mit Ihnen bereitet mir große Freude. Allerdings müssen Sie nicht nur einen originellen Geist besitzen, sondern mindestens einhundert Millionen Dollar auf Ihrem Konto vorweisen. In wenigen Jahren wird die erforderliche Mindestsumme eine Milliarde betragen. Die Inflation hinterlässt ihre Spuren und die meisten unseres Clubs sind durch die letzte Krise nicht gerade ärmer geworden, die Ansprüche steigen. Nur die Besten der Besten werden noch Eingang in unseren illustren Kreis finden.“
„Darf ich fragen, ob Sie David Niven gekannt haben, war er Mitglied in Ihrem Kreis?“
„War er. Ein feinsinniger Kopf. Mit ihm habe ich mich gerne unterhalten. Hat sich leider mit den falschen Leuten eingelassen. Kannten Sie ihn auch?“
„Unglücklicherweise. Er hat mir ein Stück meines kleinen Fingers abgeschnitten. Hatte aber nicht viel Erfolg, die moderne Chirurgie war besser.“
„Sie sind ein Scherzbold. Solch trockenen Humor mag ich. Aber Geist allein reicht nicht, um bei uns Mitglied zu werden. Haben Sie die einhundert Millionen, Mister Tenner?“
„Nein. Ich denke, das wissen Sie, wenn Sie Erkundigungen eingezogen haben. Aber ich besaß einmal über einhundert Millionen, kurzzeitig, ich habe sie verschenkt, an Hilfsorganisationen.“
„Dann sind Sie wohl doch nicht an der richtigen Stelle. Wir haben nichts zu verschenken, sondern nur zu gewinnen.“
„Im Augenblick haben Sie einiges zu verlieren.“
„Wir können nicht verlieren, wir haben sozusagen ein Dauerabonnement auf den Sieg.“
„Vielleicht sollten Sie einmal Ihr altes Mitglied Niven fragen, wie man sich als Gewinner fühlt.“
Ich musste bei meinen Worten an das jämmerliche Gestöhne und Gefluche des Jokers denken, bevor ich ihm eine Kugel in den Kopf schoss. Wenn ich den Blick meines Gegenübers richtig deutete, keimte jetzt eine gewisse Feindseligkeit, Verachtung und Wut in seinem Inneren. Ich konnte dies gut verstehen. Und ahnte die Konsequenzen. Meine Chancen, dieses Gebäude heil und gesund wieder zu verlassen, sanken auf ein Niveau, das unter dem Meeresspiegel lag. Genau genommen, befanden sie sich auf Höhe des Marianengrabens. Tiefer ging es nicht. Aber ich war nicht bereit, klein beizugeben. Immerhin konnte ich gut tauchen, obwohl mir dies ohne Wasser nicht viel nützen würde und an eine Überschwemmung des Raumes oder eine allgemeine Sintflut war wohl in absehbarer Zeit nicht zu denken. Obwohl die Menschheit langsam beginnen sollte, eine neue Arche Noah zu bauen. Egal, ich hatte meine Lignose am rechten Unterarm. Diese kleine Einhandpistole hatte ich regelrecht lieb gewonnen. Ich nahm sie zwar nicht mit ins Bett, aber einen festen Platz auf dem Nachttisch hatte sie sich erobert. Wenn ich mir die vierzehn Einritzungen ansah, hatte sie sich diesen Ehrenplatz redlich verdient. Wenngleich nicht alle Personen, die durch die Striche symbolisiert wurden, und das Zeitliche gesegnet oder zumindest verlassen hatten, auf ihr Konto gingen. Aber ich wollte doch zumindest den Überblick behalten. Sie würde mir auch diesmal gute Dienste leisten. Und nicht nur als Tagebuch.
„Lassen Sie uns zu Ihrem Anliegen kommen. Sie haben einen Mitschnitt, von dem Sie glauben, er könne mir und meinen Freunden schaden?“
„Alles zu seiner Zeit. Verraten Sie mir zunächst, wie Ihre Interpretation der Finanzkrise lautet?“
„Sie wollen etwas lernen? Gut. Einige gierige Manager haben, um Boni zu verdienen ohne auf Sicherheiten zu achten oder die Risiken einzukalkulieren, Kredite vergeben. Und haben der Regierung damit in die Karten gespielt, die dem einfachen amerikanischen Mann sein eigenes Haus versprochen hatte.
Die Anhäufung vieler Milliarden nicht abgesicherter, vor allem Immobilienkredite, führte zu einem Zusammenbruch des Kreditmarktes und mit ihm verbundener Finanztransaktionen.“
„Einleuchtend. Und partiell richtig. Aber jetzt gebe ich Ihnen meine Interpretation, die auf Tatsachen und vor allem auf den von Ihnen angesprochenen Mitschnitten beruht und genau auf die Wahrheit zielt, die Sie als eine bloße Fiktion bezeichnen: Sie und einige Ihrer einflussreichen Freunde haben die genannte Situation genutzt, um Hunderte konkurrierender Banken loszuwerden, inzwischen rund dreihundert, sie in den Konkurs zu treiben oder zu übernehmen. Zweitens haben Sie den Leitzins gedrückt, um Ihre Gewinne ins Unermessliche zu steigern. Außerdem wollten Sie Ihren Partnern oder den Mitgliedern Ihres Clubs im Ausland, vor allem denen in Kanada, Zugang zum amerikanischen Markt verschaffen und Gelegenheit geben, wichtige Bankinstitute zu übernehmen. Des Weiteren haben Sie Ihren Bankfreunden in der Schweiz einige Milliarden zusätzlicher Einnahmen verschafft, auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler. Und last but not least, haben Sie es geschafft, dass der Staat oder die Staaten und ihre Kassen in Zukunft zur Absicherung Ihrer mehr oder wenigen riskanten Geschäfte benutzt, besser – ausgenutzt werden können, insbesondere bei Bankverschreibungen.“
„Bravo, Mister Tenner. Wenn die Penner unter den Brücken, die bezahlten Politclowns in den Regierungen und die meisten Investoren Ihren Verstand besäßen, würde das Leben und das Geldverdienen für uns sicher schwieriger werden. Aber Sie sind ein Einzelgänger. Und die wirkliche Dimension unseres Handelns haben selbst Sie nicht annähernd begriffen. Wir bestimmen, in welche Richtung sich die Welt dreht. Wir bestimmen, wer vier Jahre lang oder auch acht den Präsidenten spielen darf. Wir bestimmen, was mit dem Geld auf diesem Globus passiert. Wie immer es läuft, selbst wenn es schlecht läuft, läuft es für uns gut. Fünfzehn Billionen Schulden hat die USA. Hört sich viel an, aber überlegen Sie Mister Tenner, im kommenden Jahr wird der Nominalwert aller ausstehenden OTC-Derivate-Verträge über sechshundert Billionen Dollar erreichen. Lassen Sie sich diese Summe auf der Zunge zergehen: Sechshundert Billionen Dollar! Alle haben Angst vor einer verstärkten Sonneneruption, Explosionen auf der Sonne, die Auswirkungen auf unseren Globus haben werden. Die sind nur ein Wetterleuchten im Vergleich zu den Folgen einer wirklichen Finanzexplosion. Wenn die Kontrakte platzen, platzt der Planet. Die sogenannte Finanzkrise 2008 war nichts weiter als eine kleine Geldvernichtungs- und Geldumverteilungsaktion, wenngleich die größte in der bisherigen Geschichte. Sie haben recht, natürlich mussten wir endlich einmal durchgreifen, um einige lästige Konkurrenten zu entsorgen und die Staaten einzubeziehen, um mehr Geld zu verdienen und um mehr Macht zu bekommen. Aber es ist der Grundtrieb des Lebens, dem wir folgen. Wir sind der Beweis des Darwinschen Entwicklungsprinzips. Wir haben dieses Prinzip nicht geschaffen. Wir akzeptieren es nur und ziehen unseren Nutzen daraus. Man kann sich dagegen stellen. Aber der Preis ist der Untergang. Sie sind doch Deutscher. Da sollten Sie sich mit verlorenen Kriegen auskennen. Wollen Sie nicht endlich einmal zu den Siegern gehören?“
„Es kommt nicht darauf an, zu den Siegern zu gehören, sondern zu denen, die für die Gerechtigkeit eintreten. Manchmal gewinnen auf lange Sicht die, die durchhalten und nicht kapitulieren. Denken Sie nur an die Seminolen.“
„Diese Säufer, Spieler und Schrottsammler? Schöner Sieg. Und militärische Siege sind ohnehin nur von begrenztem Wert. Sehen Sie sich das Empire an. Das größte Weltreich, das je existierte. Großbritannien hat die Weltkriege und viele kleinere Kriege gewonnen. Und? Was ist das Ergebnis? Ein kleines Land mit einer großen Vergangenheit. Und nutzlosen Erinnerungen. Ihr Land hat die Kriege verloren und ist dennoch obenauf. Weil Sie eine gute Wirtschaft haben und Bankiers, die anderen das Geld aus der Tasche gezogen haben. Aber auch die Wirtschaft ist veränderbar. Glauben Sie denn, dass in Ihrem Land die Leute, die sich heute gegen die Kernenergie stellen, in einigen Jahren noch eine Mehrheit haben werden oder eine Regierung, die ihre Argumente erhört, wenn die herkömmlichen Rohstoffe und Energien verbraucht sind? Wenn es ans Eingemachte geht und der Wohlstand immer kleiner wird, wenn selbst die Penner unter der Brücke morgens sich nicht mehr ihr Frühstück an irgendwelchen Suppenküchen abholen können? Nein. Wenn Sie Ihre verschenkten Millionen wiederhaben wollen, kaufen Sie Aktien der Atomanbieter und der Kohleenergiebetreiber. In zwanzig Jahren können Sie dann unserem Club beitreten. In wenigen Jahrzehnten beginnen die wirklichen Verteilungs- und Überlebenskämpfe. Dabei geht es dann nicht mehr nur um die Energie, sondern auch ums Wasser. Und wir werden entscheiden, wer etwas bekommt und wie viel davon. Wir werden die neue Weltordnung kreieren und dies im Sinne des Fortschritts oder besser im Interesse der Erhaltung der menschlichen Rasse oder zumindest ihrer besten Vertreter. Sie müssen es realistisch sehen: Die ganze Welt ist nur ein Spiel. Und ein Global-Banker hat quasi die Position des Quarterbacks inne, ist Spielgestalter und Kopf des Spiels. Früher war das sicher anders. Ein guter Bankier musste ein guter Buchhalter, aber nicht unbedingt kreativ oder risikobereit sein, nur pünktlich und korrekt und gut rechnen können. Aber die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Seit der Aufhebung der Regulierung der Kreditinstitute 1982 unter Donald Regan hat sich das Bankenwesen verwandelt und mit der Aufhebung des Trennbankengesetzes 1999, dank der Clinton-Mannschaft, wurde es zum härtesten Spiel der Welt. Wer in diesem Haifischbecken überleben will, in dem es nicht mehr um Millionen, sondern um Billionen geht, der muss einfallsreich sein. Wer gar erfolgreich mitspielen will, darf sich nicht an Gesetze und Regeln halten. Das einzige Gesetz in dieser Branche lautet: es gibt kein Gesetz für die Big Player. Big Player sind freie Menschen und wie Ihr großer Philosoph, den Sie leider wohl nicht genug schätzen, einmal schrieb: Der freie Mensch ist immer unsittlich! Ich weiß, es mag im herkömmlichen Sinne unmoralisch sein, aber ohne Bestechung von Regierungsbeamten, denken Sie an die Riggs Bank, das Waschen von Drogengeldern, Stichwort Citibank, oder die Beeinflussung der Rating Agenturen, denken Sie an die Einschätzung von Lehman Brothers vier Wochen vor dem Crash, oder Wetten auf den Verlust und Untergang, wie Kelly Buss sie abgeschlossen hat und damit Milliarden verdiente, könnten sie das Spielfeld verlassen, bevor überhaupt der Anpfiff erfolgte. Gewinnen kann man nur, wenn man schnell und skrupellos ist, bereit, Schmerzen zu ertragen und vor allem anderen Schmerzen zuzufügen. Kennen Sie den einzig wirklich guten Bond Film, der nicht einmal als echter Bond-Film in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen ist! Sag niemals nie? Ja? Erinnern Sie sich an die Szene, in der Bond gegen Maximilian Largo Domination spielt? Einsatz: die Welt. Virtuelle Waffen aller Art zur Zerstörung und zur Verteidigung und mit jedem eigenen Fehlschuss oder einer unzureichenden Verteidigung erhalten die beiden Spieler echte Stromschläge, die sogar zum Tode führen können. Aber der Einsatz ist das Risiko Wert: Die gesamte Welt. Die Globalisierung der Menschheit. Alles nur mit Hilfe von virtuellen Zahlen.“
„Sie meinen, die meisten Menschen werden immer ärmer und einige Big Player immer reicher?“
„Sie sind doch Sozialist! Was interessieren denn Milliarden von Proleten, Hungerleidern und Brückenschläfern, die Welt kann diese Massen ohnehin nicht mehr fassen. Regulierung der Weltbevölkerung im Sinne des Überlebens unseres schönen Planeten und derer, die diesen Planten verdient haben, weil sie etwas für seine Weiterexistenz tun. Genau dies ist das erstrebenswerte Ziel. Dafür wirken wir. Eine neue, vernünftige Weltordnung.“
Ich war von diesen Ausführungen nicht sonderlich überrascht. Die Banksters machten ihrem negativen Ruf alle Ehre. Eigentlich übertrafen sie ihn noch um etliche Hedgefonds.
„Vielleicht ist das, was Sie bewirken, aber nur ein neues Chaos?“
Ralph lehnte sich in seinem hohen Sessel zurück. „Um noch einmal Ihren so klugen Landsmann zu zitieren, dessen wichtigste Erkenntnisse in unserem Club auf einer riesigen Bronzetafel im Eingangsportal verewigt sind: Der Gesamtcharakter der Welt ist in alle Ewigkeit Chaos.
Auch hier gilt: Wir erschaffen das Chaos nicht, wir nutzen und verändern es nur in unserem Sinne. Es gibt für unsere Mitglieder eine Trinitätsformel der Gewinn- und Machtsteigerung: EKC. Die Buchstaben stehen für: Erschütterung, Krise und Chaos. Was glauben Sie denn, Mister Tenner, wer die Geschichte schreibt? Irgendein Gott? Ein imaginäres Schicksal? Oder die Regierungschefs der großen Staaten? Nein, ganz sicher nicht. Wir machen die Geschichte. Wir allein. Wir schieben die Milliarden dahin, wohin wir sie haben wollen. Und sie verwandeln sich in Armeen, Waffen, in Häuser, Städte, Straßen, in Aufbauprogramme, Nahrungsmittel oder - in Hunger und Ruinen. Staaten, Regierungen, Nationalitäten, Religionen. Alles nur kleinkarierter Quatsch. Geld ist universal. Allmächtig. Der einzig wahre Gott.“
„Vielleicht werden Sie eines Tages wie König Midas den wahren Gott um die Erlösung von diesem falschen Gott anflehen müssen.“
„Es gibt keinen Gott in dem Sinne, wie Sie es meinen. Und wenn es einen gäbe, würde ich - um noch einmal meinen Lieblingsphilosophen zu zitieren – nur an ihn glauben, wenn er zu tanzen verstünde."
„Vermutlich würden Sie zusammen mit ihm um das goldene Kalb herumtanzen?“
„Das ist ein origineller Gedanke. Ich mag euch Deutsche, ihr seid so geistreich. Zusammen mit Gott um das goldene Kalb tanzen? Sie haben wirklich Humor. Allerdings keinen Sinn für Realitäten.“
„Dass haben mir schon andere Ihres Kalibers gesagt. Den Humor brauche ich, um diese Realität ertragen zu können und den Sinn für diese nicht zu verlieren. Und mir ist in dieser intoleranten Zeit auch bewusst geworden: Verschwindet der Humor, kehrt das Mittelalter zurück.“
„Dieses ist spätestens mit dem Internet ganz sicher für immer verschwunden. Damit haben wir eine neue Dimension der Machtsteigerung erreicht. Die Guten können die Welt nicht nur erobern, sondern nach ihren Vorstellungen planen.“
„Alle Achtung. Sie können einen wirklich überraschen. Sie glauben, Sie seien einer der Guten?“
„Absolut. Die Guten sind eine Kaste, die Schlechten eine Masse. Und der Inhalt der Begriffe gut und schlecht oder böse sind nur eine Frage der Definition. Haben Sie mich mal die modernen Actionfilme und Krimis angesehen? Es gibt keine im klassischen Sinne Guten mehr. Klar, in der Wirklichkeit hat es nie die Guten gegeben, aber wenigstens in ihren Filmen und Büchern haben die Menschen ihre aufrechten Helden gehabt. Und heute? Alles nur gebrochene Helden, bipolar, vom Geist des Bösen angehaucht. Wissen Sie, was ich Ihnen damit sagen will? Selbst in der Fantasie gibt es diese Guten, wie Sie sie sich vorstellen oder erträumen, nicht mehr. Weil selbst die Filme, die Literatur, die Kunst sich der Wirklichkeit beugen muss. Ich definiere gut als lebenssteigernd, schlecht als absterbend, dem Untergang geweiht und böse als dem Mob nicht verständlich und Angst einflößend. Nicht mehr und nicht weniger.“
„Haben Sie auch eigene Ideen und Maximen oder haben Sie sich alles aus den Büchern anderer Denker geklaut?“
Mir fiel ein Spruch meines Großvaters ein, den ich immer für sehr zynisch hielt, nicht meinen Großvater, der eher ein Satiriker war, sondern diesen speziellen Spruch: Manche Menschen werden erst zu einer Bereicherung für unsere Erde, wenn sie beginnen, sich in solche zu verwandeln.
Jetzt begriff ich, dass der Spruch nicht zynisch, nicht einmal satirisch gemeint war, sondern eine nüchterne, reale Einschätzung von Menschen darstellte, die in ihrer ursprünglichen Daseinsform der Erde nur Schaden zufügten und erst nach ihrer Verwandlung einen gewissen, wenngleich nur sehr kleinen allgemeinen Nutzen brachten.
„Sie haben sich selbst mit Ihren Entscheidungen und Handlungen geschadet. Es dürfte nicht förderlich sein, wenn die breite Öffentlichkeit erfährt, dass die Krise, die der Welt einige Billionen gekostet hat, quasi ein Komplott einiger besonders gieriger Banksters war. Und, was für Sie noch unangenehmer sein dürfte, einige der Leute, die Sie übers Ohr gehauen haben, werden darüber nicht sehr erfreut sein.“
„Sie meinen den Gorilla? Unsinn. Die Lehman-Manager sind reichlich versorgt. Keiner unserer Konkurrenten muss an der Suppenküche anstehen. Einige sind von Milliardären zu Millionären geworden. Aber sie können immer noch ihre Angestellten bezahlen und einige haben zwar ihren Posten verloren, aber besitzen mehr Geld als vorher.“
„Die Beteiligung von hohen Regierungsvertretern bei Ihrem abgekarteten Spiel wird sicher auch manchen Journalisten oder Staatsanwalt auf den Plan rufen. Und Gaddafi wird nicht entzückt sein, wenn er erfährt, dass Sie ihm fast anderthalb Milliarden Dollar gestohlen haben.“
„Wie naiv. Es wird keiner auf dem Plan erscheinen, den wir nicht selbst rufen. Und ein Telefonat mit dem Präsidenten genügt, und das System in Libyen ist in wenigen Monaten dank unserer ausgezeichneten Truppen nur noch Geschichte. Unsere französischen Freunde werden uns sogar dankbar sein, dass wir ihnen die schönen Milliarden retten, die Gaddafi von Frankreich nach Asien transferieren will. Keiner interessiert sich dann mehr für Bankgeschäfte der Vergangenheit. Aber genug der Worte. So sehr ich sie auch liebe. Kommen wir zu dem eigentlichen Anliegen Ihres Besuches. Auch wenn Sie mit den Aufnahmen weniger anfangen können, als Sie vielleicht glauben, will ich nicht kleinlich sein und uns allen Ärger ersparen. Was wollen Sie für die Mitschnitte haben? Ich werde nicht feilschen. Nennen Sie den Preis!“
„Sie haben mich nicht verstanden. Ich will kein Geld. Sie haben mich nach dem Bond-Film gefragt, vielleicht kennen Sie einen anderen Streifen? Rendezvous mit Joe Black? Nein? Sollten Sie sich ansehen, eine romantische Komödie mit Tiefgang. Der Tod in Menschengestalt auf der Erde. Als der Mann, den er eigentlich holen soll, ihm Dollarscheine gibt und fragt, ob er wisse, was Geld sei, antwortet dieser: Das ist das, womit man sich kein Glück kaufen kann. So einfach und banal ist das Leben: Sie können sich mit Ihren Millionen und Milliarden alles kaufen, nur nicht das, worauf es ankommt. Warum sollte ich mich also bestechen lassen? Die Videodateien sind unverkäuflich. Vielleicht werde ich sie verschenken. An unbestechliche Mitarbeiter des Schatzamtes oder an Chefredakteure und Enthüllungsjournalisten. Ich will kein Geld, sondern die Wahrheit, die angeblich nur eine Illusion oder ein Irrtum ist. Vielleicht habe ich noch zu viele von den alten Filmen gesehen, als gut und böse noch klar zu unterscheiden waren. Ich habe nicht die Hoffnung, alle großen Halunken bestrafen zu können. Aber wenigstens hin und wieder sollten nicht nur die Kleinen gehängt werden. Sonst geht der Glauben an die Gerechtigkeit völlig verloren. Ich will einen Fall aufklären. Vielleicht verrückt, größenwahnsinnig und realitätsfremd, aber verdammt ernst gemeint. Jenseits allen intellektuellen Geschwätzes. Eine klare, einfache Frage: Haben Sie einen Mörder beauftragt, Ihren Vizepräsidenten zu ermorden?“
„Meinen Sie ernsthaft, ich würde es Ihnen sagen, wenn ich es getan hätte?“
„Ich denke, Sie haben ein Dauerabonnement fürs Gewinnen und brauchen niemanden zu fürchten?“
„Muss ich auch nicht. Die Welt ist ein großes Spiel und ich spiele gerne mit. Aber ich bin nicht größenwahnsinnig. Dan hat, soweit mir bekannt ist, Selbstmord begangen, das ist Mord, aber einer, bei dem sie den Mörder nicht mehr bestrafen können.“
„Es war kein Suizid. Dafür gibt es inzwischen mehrere triftige Anhaltspunkte. Sie haben eine Woche vor dem Tode Dans dem Chef eines Ihrer Sicherheitsdienste und zwielichtiges Mädchen für alles, fünfhunderttausend Dollar auf sein Konto überwiesen. Vermutlich, um den Mord planen und bezahlen zu können. Er hat jedenfalls kurz darauf einen Killer engagiert, der ihn inzwischen identifiziert hat.“
„Das sollen Beweise oder Indizien sein? Ich habe Geld überwiesen? Ich hebe an manchen Tagen fünf oder sechshundert Tausend Dollar ab oder lassen sie überweisen. Singer hat seit über zehn Jahren eine gute Arbeit geleistet und sich einen Sonderbonus verdient. Falls es Ihnen entgangen sein sollte, Sie haben es mit einem Multimillionär zu tun, der mit seinem Geld tun kann, was er will. Was ein gedungener Killer für Beschuldigungen erhebt, ist völlig unerheblich.“
„Das wird der Staatsanwalt entscheiden. Immerhin gibt es einen Zusammenhang, den selbst ein Blinder sehen würde. Die Dateien sind ein gutes Motiv für einen Mordauftrag. Und einen Bonus von einer halben Million an einen simplen Sicherheitsbeauftragten zu überweisen, ist auch nicht rational nachvollziehbar. Nicht zu vergessen, dass diese Überweisung von einem Ihrem Privatkonten getätigt wurde. Die Hälfte des Geldes wird von Ihrem Bluthund in bar sofort abgehoben? Um sich einen schönen Tag zu machen? Kein Beweis, aber den brauche ich nicht. Mir reicht die Wahrheit. Die erschließt sich mitunter ganz spontan, wie eine Erleuchtung. Und diese Wahrheit wird mich vielleicht nicht frei machen, wie der Apostel Johannes behauptete, aber doch etwas glücklicher. Leisten Sie Ihren Beitrag zu meinem Glück.“
„Ich habe diesem Gespräch zugestimmt, weil Sie mein Interesse geweckt haben. Aber ich habe nicht gewusst, dass Sie verrückt sind, Mister Tenner. Sie sollten keine Detektiv-Lizenz besitzen. Ich dachte, wir könnten wie vernünftige Menschen miteinander verhandeln. Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind? Sie sind ein Nichts, ein Looser, ein Größenwahnsinniger, der die Welt ändern will.“
Ich schüttelte den Kopf. „Sie irren. Die Welt hätte ich vor dreißig Jahren ändern wollen. Diesen Idealismus habe ich längst verloren. Aber ich habe den vielleicht auch etwas verwegenen und utopischen Wunsch, sie zu erhalten. Dazu muss man Leuten Ihres Schlages auch mal ihr schmutziges Handwerk legen.“
„So viel Naivität bei Ihrer Intelligenz hätte ich nicht erwartet. Ich besitze viele Millionen, bald Milliarden. Und damit wirkliche Macht. Sie sind im Verhältnis dazu, eine unbedeutende Null.“
„Nun, ich besitze einige Freunde, aber die sind mehr wert als irgendwelche Ziffern auf Bankcomputern. Sie sind mein Reichtum und meine Macht. Ein einziger Algorithmus würde ausreichen, um all Ihre schönen Ziffern zu vernichten, sie würden sich in Nullen verwandeln. Aber meine Freunde sind echt, aus Fleisch und Blut, mit Gehirnen und Herzen ausgestattet, sie haben im Unterschied zu Ihren Festplatten Seelen. Was Ihr geliebtes Geld anbelangt, kann ich tatsächlich nicht mithalten, ich besitze nicht einmal eine einzige Million. Ich kratze immer nur daran, wage aber nie, diese magische Zahl ganz zu erreichen oder zu überschreiten. Das hängt mit meiner Erziehung zusammen. Geld muss redlich verdient werden, sagte mein Vater, wer Millionen hat, ist entweder Lottogewinner oder Mafiosi. Sie spielen bestimmt kein Lotto. Ich weiß natürlich, dass die Inflation dazu geführt hat, dass die Aussage meines Vaters um einige Nullen erweitern werden muss. Aber ich habe immer noch das Wort „Million“ im Ohr, deshalb bleibe ich lieber kurz davor. Sie können vielleicht mit Ihrem Geld Söldner kaufen, aber keine Freunde. Wissen Sie, woran das mächtige Römische Reich zerbrochen ist? Es gab keine Bauern mehr, die Soldaten wurden. Keine echten Römer mehr, die für ihr Land kämpften, nur Söldner, denen es nicht um Ehre, Vaterland oder Gerechtigkeit ging, sondern um einen möglichst prallen Geldbeutel. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Ich habe keine gute Stimme, deshalb verzichte ich lieber auf Gesangsproben. Mich interessieren Ihre Millionen und Milliarden nicht, genauso wenig wie Ihre Söldner oder Ihre Drohungen.“
„Ich habe mich bei einigen Erfolgen, die ich erringen konnte, zugegebener Maßen auch nicht ganz vom Größenwahn fernhalten können, aber Sie übertreffen mich bei Weitem, Mister Tenner. Egal welch schöne Geschichten aus ihrer Jugendzeit Sie mir erzählen oder welche Maximen Sie mir verkaufen wollen, ich werde mich darum kümmern, dass man Sie und Ihre Leute aus dem Verkehr zieht.“
„Soll dies eine Drohung sein? Ich muss zugeben, ich fange schon an zu zittern. Ob ich eine Lizenz besitze oder nicht, ist weder für meine Börse von Bedeutung noch für mein Engagement in diesem Fall. Am Ende meiner Spurensuche wird die Wahrheit stehen. Und dies ist keine Drohung, Mister Morgan, sondern ein simples Versprechen. Ihr Mister Singer wird, um der Giftspritze zu entgehen, ganz sicher auf alle Loyalität und Treue einen großen Haufen legen. Einen wie Sie ihn jeden Morgen herbeisehnen. Dieser Singer wird singen, er wird Sie und Ihre Kumpane gerne opfern.“
„Es wäre nett, wenn Sie mich jetzt verlassen würden, ansonsten werde ich Sie von meinen Leuten entfernen lassen.“
„Ich gehöre nicht nur zu einer Schicht, die man nicht vor den Türen herumlungern, sondern auch zu einer, die sich nicht einfach vor die Tür setzen lässt!“
Er zuckte mitleidig und verächtlich mit den Schultern und drückte auf einen Knopf, der sich an seinem Schreibtisch befand. „Sie glauben gar nicht, was ich alles kann.“
Bereits zehn Sekunden später stand ein Herr in der Tür, dessen Anblick auch einem Hulk Hogan eine Gänsehaut beschert hätte. Der Stoff seines Anzuges hätte wahrscheinlich zur Herstellung eines mittelgroßen Zirkuszeltes ausgereicht. Ich war mir darüber im Klaren, dass es zwischen Erscheinung und Wesen einen Gegensatz geben kann. Aber ganz sicher nicht in diesem Fall. Ich hätte nicht nur meine Hand, sondern gleich alle Gliedmaßen einschließlich meines wichtigsten dafür ins Feuer gelegt, dass hier beide identisch waren. Der Kerl hatte eine flache Stirn, wulstige Lippen, eine dicke tiefrote Nase und einen kurzen Hals, dies in harmonischer Synthese mit den schmalen Augen. Ich kam zu einem Urteil, das auf einem reichen Erfahrungsschatz basierte: Dieser Typ würde auch durch jahrelanges kontinuierliches Kiffen seinen IQ nicht mehr senken können. Er würde nicht nur keinen Preis bei einem Intelligenzwettbewerb gewinnen können, nein, diesen Typen würde man nicht einmal bei einem solchen Wettbewerb die Zulassung erteilen. Aber bei einem anderen Wettbewerb hätte er wohl Erfolgsaussichten: seinen Mitmenschen in möglichst kurzer Zeit die größte Anzahl von Knochen zu brechen.
Mein kleiner linker Finger begann, wieder einmal zu schmerzen. Ich wollte ihn nicht noch einmal verlieren. Und meine Nase war mir schon als Vierzehnjähriger bei einem Schulboxkampf gebrochen worden, mit sichtbaren Langzeitfolgen, ich brauchte keinen Wiederholungskampf. Ich muss zugeben, mein Herzschlag verdoppelte sich in kürzester Zeit. Trotz meiner großspurigen Worte hatte ich kein gutes Gefühl in der Magengegend und wenn ich nicht aufpasste, würde der Gorilla dafür sorgen, dass ich meine Nahrung in Zukunft per Strohalm oder Ernährungsschlauch zu mir nehmen musste. Ich hatte Angst, auch wenn ich dies Joanne und meinen Mitarbeitern gegenüber nicht zugegeben hätte. Aber zum einen hatte mein Verhalten einen Sinn gehabt, arrogante Menschen wie Ralph Morgan konnte man nur beeindrucken, wenn man sie an Arroganz überbot. Er musste merken, dass er es nicht mit einem Schmalspurschnüffler oder einem bestechlichen Dade-Streifenpolizisten zu tun hatte. Er musste erkennen, dass er ernst zunehmende Gegenspieler hatte. Und er sollte dazu verleitet werden, unvorsichtige Spielzüge zu machen.
Zum anderen hatte ich zwar Angst, aber wo andere beim Spiel noch einen Ass im Ärmel hatten, hatte ich ja meine geliebte Lignose. Seit der technischen Revolution war es ratsamer, im Kampf Mensch gegen Maschine auf die Maschine zu setzten. Oder im Kampf Muskelkraft gegen Sprengprojektile auf die Projektile. Ein Gewichtheber konnte vielleicht ein Gewicht von 242,5 kg heben, eine tolle Leistung, aber ein Kran schaffte 18 Tonnen. Ein fernöstlicher Großmeister konnte seine Hand mit einer Kraft von einer Tonne auf einen Ziegelstein auftreffen lassen. Ein Geschoss aus meiner Pistole würde vielleicht nicht genug Energie besitzen, um den Stein zu durchschlagen, aber den riesigen Bauch aus Fett, Muskeln, Blut und viel Wasser würde es ganz sicher durchdringen, zumal ich Spezialmunition im Magazin hatte. Verboten, aber sehr wirkungsvoll. Meine Angst war also begründet, aber dank der modernen Technik und meiner Fähigkeit, mit dieser umzugehen, beherrschbar. Ich war in den letzten Jahren zu einem Waffenliebhaber geworden. Nicht, weil ich gerne auf Menschen schoss, sondern, weil Waffen große Vorteile mit sich brachten: sie ersparten einem viel an Lebenszeit, die man ansonsten durch langatmige und unnütze Diskussionen mit Idioten verloren hätte und sie hielten das Budget für Zahnersatz in überschaubaren Grenzen.
Der smarte Ralph gab seinem Golem ein Zeichen und meinte mit einem süffisantem Lächeln: „Los Charles, setz ihn vor die Tür! Und nimm keine Rücksicht auf seinen Anzug oder seine Gesundheit! Und durchsuche ihn gründlich, er hat bestimmt ein Aufzeichnungsgerät bei sich!“
Der Riese wollte meinen Arm packen, den hatte ich aber schon blitzschnell nach oben gerissen und meine Lignose in der Hand. Dem Blick konnte ich entnehmen, dass - wie schon bei anderen Vorstellungen - mein Zaubertrick seine Wirkung nicht verfehlt hatte.
„Hinlegen! Arme und Beine weit vom Körper spreizen!“
Er wusste bei seinem fehlenden IQ offenbar nicht, wie er reagieren sollte. Er schaute ratlos zu seinem Anführer. Ich wollte seine Entscheidung in Richtung Überleben beeinflussen.
„Meine Pistole enthält vier Sprenggeschosse, ich brauche für dich nur ein einziges Projektil. Auf fünf Meter Entfernung kann ich einer Fliege ein Auge ausschießen. Es wäre also besser für die Unversehrtheit deines Kopfes, wenn du meiner Aufforderung nachkommen würdest!“
Ich hatte natürlich gelogen, ich hatte noch nie auf eine Fliege geschossen. Was das Tierreich anbelangte, vermochte ich nicht einmal der berühmten, so oft zitierten Fliege etwas anzutun. Bei der Welt der Zweibeiner war ich aber weniger rücksichtsvoll. Im letzten Jahr hatte ich auf vier Meter Entfernung ins Auge des Sekretärs von Richter Fullham getroffen. Darauf war ich nicht stolz, auf einer Scheibe wäre das höchstens eine Neun gewesen. Eigentlich hatte ich die Stirn anvisiert. Der Schuss hatte mein Leben gerettet, im Bündnis mit meinem Cabbalero-Hemd. Die Geschichte wollte ich an dieser Stelle nicht vortragen, dies hätte etwas angeberisch gewirkt, deshalb beließ ich es bei dem Verweis auf die Fliege und ihr Auge. Dieser Verweis tat nun auch seine Wirkung, der Gorilla legte sich, wenngleich etwas zögerlich, auf die hübsche hellbraune Auslegware und streckte seine Gliedmaßen weit von sich. Ich liebte Waffen, ohne meine Lignose wäre ich bestimmt in einem eher desolaten Zustand in meinem Apartment angelangt und hätte mich von Joanne pflegerisch versorgen lassen müssen, anstatt ihr zu geben, was ihr nach einem solchen Tag der Trennung zustand. Ich würde den starken, coolen und liebeshungrigen Apartmentmitbewohner demonstrieren können.
„Und Sie, lieber Mister Morgan, überlegen sich noch einmal in Ruhe, ob es nicht besser wäre, ihren Sicherheitschef ans Messer zu liefern, mit einer halbwegs plausiblen Geschichte, als selbst vor Gericht zu wandern oder anderweitig Scherereien zu bekommen. Vielleicht von Ihren Freunden von der SCAN.“
Die linke Augenbraue zuckte. Nur kurz und doch verräterisch.
„Sie werden sterben, Mister Tenner. Ich gebe Ihnen darauf mein Wort.“
Ich hatte wieder einmal eines meiner Déjà-vus. Genau diese Worte hatte ich im vergangenen Jahr mit Richter Fullham gewechselt, bevor dieser sich - als letzte Geste der Ehrerbietung gegenüber dieser schönen Erde - den Lauf seines Jagdgewehres in den Mund steckte und dann abdrückte. Was ich zum Glück nur hören, aber nicht mit ansehen musste. Ich mochte kein Blut. Und vor allem keine Gehirnteilchen auf meinem maßgeschneiderten Sakko aus feinstem Garn.
Lag es an mir oder an der begrenzten Kreativität der Bösen? Vielleicht hatten diese Teufelskreaturen nur einen begrenzten Wortschatz und nur eine überschaubare Anzahl von Verhaltensweisen im Repertoire?
„Die Wette werden Sie, sofern der Tod nicht nur eine Illusion sein sollte, auf jeden Fall gewinnen.“
„Diese Wette gewinne ich innerhalb von sieben Wochen. Sollten Sie dann noch am Leben sein, bekommen Sie einen Dollar von mir. Ansonsten spendiere ich Ihnen eine fürstliche Bestattung.“
„Ich werde meinen Dollar einfordern, darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Und weder Sie noch die SCAN oder Ihr Mister Jay können mir Angst einjagen.“
Bei der Wiederholung des Namens SCAN in Zusammenhang mit Jay zuckte die Augenbraue erneut, ich hatte den Eindruck, ich hatte Ralph an einem besonders wunden Punkt getroffen.
„Auf Wiedersehen. Und ich wünsche Ihnen einen immerwährenden Stuhlgang.“
Bei diesem Wort kam mir in den Sinn, meinen eigenen Abgang etwas sicherer zu gestalten. Ich griff mir einen der stabilen Bürostühle, öffnete die Tür und schob, nachdem ich sie von außen geschlossen hatte, den Stuhl schräg unter die Klinke. Als ich einen der insgesamt fünf Fahrstühle erreicht hatte, hörte ich schon wie man von innen versuchte, die Tür aus den Angeln zu heben. Zum Glück war der zweite Fahrstuhl gerade auf dem Weg ins Erdgeschoss und hielt, nachdem ich den Knopf gedrückt hatte, wenige Sekunden später auf dieser Etage. Ein junger Mann in einem glänzenden, dunkelgrauen, gut sitzenden Anzug schaute kurz hoch, nickte mir zu und vertiefte sich dann weiter in eine Mappe, die er aufgeschlagen hatte. Ein Hochglanzprojekt für Hochseejachten. Der junge Mann überlegte wahrscheinlich, wofür er die nächste Millionen-Provision ausgeben konnte. Die Lignose hatte ich nicht wieder in die Schiene zurückgedrückt, sondern hielt sie möglichst unauffällig und verdeckt in der Hand. Vielleicht hatte Morgan den Sicherheitsdienst verständigt und mir ein Empfangskomitee an die Rezeption geschickt.
Ich musste die Waffe nicht benutzen. Warum auch immer, der Bankchef und für mich gleichzeitig Auftraggeber eines Mordes, hatte darauf verzichtet, Alarm zu schlagen. Kein einziger Sicherheitsbeamte wartete auf mich. Meine einsatzbereite Lignose konnte sich für heute zur Ruhe begeben. Aber ich sollte nicht mehr zur Ruhe kommen, denn ich hatte mich mit dem Teufel angelegt oder einer ganzen Horde von ihnen, jener, die selbst die Hölle nicht mehr haben wollte und auf die Erde verdammt hatte. Und wieder war die Sieben ein Menetekel.

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