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Was macht man, wenn man als begabter Philosophiedozent dreimal bei der Berufung zum Professor übergangen wurde? Man resigniert und fügt sich in sein Schicksal oder man hört auf seinen besten Freund aus der Werbebranche und ändert sein Aussehen, seine Vita und wechselt die Universität.

Dr. Ben Coletti wählt den zweiten Weg. Als Transgender-Benny mit Migrationshintergrund, Behindertengrad und neuartigen Forschungsthemen beginnt er eine ungewöhnliche Karriere, die ihn nicht nur nach Florida und Afrika führt, sondern ungeahnte Erfahrungen machen, die Liebe seines Lebens finden und eine neue Sicht auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens gewinnen lässt.

Amazon Taschenbuch:  13,73 €

ISBN-13:   979-8632456494

  oder
    Ebook (Kindle):  5,45 €

 

 

Leseprobe

 

Auszug aus dem 1.Kapitel

 

„Wie soll ich mich denn verwandeln? Und wozu?“

„Du hast mir erzählt, zum dritten Mal hat dir eine Frau die erhoffte und verdiente Professorenstelle weggeschnappt.  Kennst du die amerikanische Komödie Tootsie? Dustin Hoffmann spielt einen Schauspieler, dem es nicht gelingt, einen neuen Auftrag zu erhalten. Er kommt schließlich auf die Idee, sich als Frau zu verkleiden und bewirbt sich um eine Frauenrolle in einer Seifenoper, die er auch erhält und damit große Erfolge feiert.“

„Soll ich eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen und mich als Frau Professorin bewerben?“

„Nein. Nicht gleich. Nicht als verkleideter Mann. Viel zu banal. Außerdem sind schon so viele Stellen mit Frauen besetzt. Das würde dir keinen wirklichen Vorteil mehr bringen. Wir leben nicht in den Achtzigern oder Neunzigern. Nur die Grundidee des Filmes ist ausbaufähig. Wie ich dir anfangs erzählte, du musst mehrere Kriterien gleichzeitig erfüllen. Du könnest dich als Schwuler outen, aber das ist heute auch kein großer Hit mehr, jeder zweitklassige Schauspieler oder Sportler versucht, auf diese Weise Ansehen und Respekt und Vorteile zu erwerben und sich als Kämpfer für eine Minderheit zu präsentieren. Die Sache ist abgegessen. Nur in einigen Bergdörfern mögen die Leute noch über schwule oder lesbische Mitbewohner hinter deren Rücken tuscheln. Bei Facebook gibt es inzwischen über sechzig verschiedene Geschlechteridentitäten, vom Two-Spirit bis zum Hermaphrodit. Ich habe Tränen gelacht, als ich mir die Liste durchgelesen habe. Nein, du musst mehrere Vorurteile gleichzeitig bedienen. Mann zu sein, ist inzwischen, zumindest was Beförderungen betrifft, ein Nachteil. Du kannst dir überlegen, ob du vielleicht auf Transgender machst. Eine sich entwickelnde, gefühlvolle Frau im Männerkörper. Ich habe vor Kurzem gelesen, eine Transsexuelle ist sogar in der Bundeswehr zum Oberstleutnant und zur Bataillonskommandeurin ernannt worden. Tolle Karriere. Wenn das dort klappt, klappt es in anderen Bereichen schon lange. Transgender lässt dir viele Optionen. Du musst dir ja nicht gleich die Fingernägel lackieren oder in High Heels herumrennen. Es reicht, wenn du in der Bewerbung divers einbringst. Ohne nähere Erklärungen. Ich weiß, die sexuelle Orientierung muss man nicht nennen, aber du wirst sie zumindest verklausuliert im Bewerbungstext mit durchscheinen lassen. Und im persönlichen Gespräch sowieso. Die politische Überzeugung wird auch nicht abgefragt, doch man sollte erkennen, dass du aufseiten des Fortschritts stehst und die Welt retten willst. Auch lieber Fahrrad als Diesel oder SUV fährst. Du wolltest dein Auto doch ohnehin verkaufen, mangels Bedarf. Und du schaust über die Landesgrenzen hinaus, bist quasi ein Internationalist. Aber selbst das ist nur der Anfang oder ein Teil des Ganzen. Du musst das Bild des weißen, deutschen, heterosexuellen Mannes loswerden, der natürlich schon aufgrund dieser Disposition potenzieller Rassist und konservativ borniert ist und daher für Beförderungen als Letzter infrage kommt.

Du brauchst also eine neue Vita und ein verändertes Erscheinungsbild. Glücklicherweise bist du kein Weißbrot. Dein schöner brauner Teint ist in diesem Fall von großem Vorteil. Nimm eine Bräunungscreme, um die Haut noch um eine Schattierung dunkler zu bekommen oder besuche mehrmals die Woche ein Sonnenstudio. Lass die Haare wachsen und färbe sie rabenschwarz. Kaufe dir ein schickes afrikanisches T-Shirt, vielleicht sogar einen Kaftan.“

„Willst du mich veräppeln? Die lachen mich doch an der Universität aus!“

„Du solltest in absehbarer Zeit deine Stellung kündigen und dich an einer anderen Uni bewerben. Ich bastele dir einen lückenlosen Lebenslauf und ein Empfehlungsschreiben bekommst du auch. Erinnerst du dich an unser Auslandssemester in Florida? An die schmucke Patsy? Wir teilten eine Weile das Bett miteinander und sind in Kontakt geblieben, sie ist inzwischen verheiratet, aber wohl nicht besonders glücklich. Sie freut sich auf die jährlichen Treffen mit mir. Ihr beruflicher Weg hat sie in den Verwaltungsrat der Uni und in die Direktion des Colleges für Sozial- und Politikwissenschaften geführt. Ich werde mich mit ihr in Verbindung setzen. Sie ist bestimmt nicht abgeneigt, dich zu einer Vorlesungsreihe einzuladen. Das ist eine solide Grundlage. Du gehst für einige Monate als Gastdozent dorthin, arbeitest auf Honorarbasis. Oder umsonst. Ein solcher Aufenthalt macht sich gut in deiner Bewerbung: internationale Erfahrung. Die Geschichte soll ja Hand und Fuß haben. Deine Mutter ist Deutsche, dein Vater war Flüchtling, sagen wir aus Afghanistan, er hat deine Mutter nach kurzer Zeit sitzen lassen. Sie hat dich zunächst allein bzw. dann mit einer Lebensgefährtin großgezogen. Deine Mutter ist tot, das ist gut, entschuldige, natürlich tut mir das leid, ich weiß, sie war eine tolle Frau, aber es ist in diesem Falle gut, weil niemand sie mehr befragen und die Geschichte überprüfen kann. Und dein Vater ist unbekannt. Auch ideal für unsere Legende. Du hast also afghanisches Migrantenblut, bist in einer Patchworkfamilie unter bescheidenen materiellen Verhältnissen groß geworden, hast eine bisexuelle Mutter gehabt, bist selbst divers und wir setzen noch einen drauf - du bist behindert. Hast du seit dem Sportunfall vor zwei Jahren nicht die Knieprobleme und kannst schlecht laufen?“

„Ich habe mich daran gewöhnt, einen Sprint kann ich nicht mehr hinlegen, aber das mit dem Laufen klappt wieder gut.“

„Nein. Klappt gar nicht. Absolut nicht. Du brauchst einen Behindertengrad. Du musst einen Antrag beim Gesundheitsamt stellen, natürlich mit deinen Entlassungspapieren aus dem Krankenhaus und einem aktuellen ärztlichen Gutachten. Ich gebe dir die Nummer eines Arztes in der Charité, toller Fachmann, ist mir noch etwas schuldig. Du musst wenigstens einen Behinderungsgrad von fünfzig Prozent haben, das eröffnet dir bei der Personalauswahl weitere Chancen und du bist dann fast unkündbar. Die müssen, wie du weißt, ihre Quoten und Inklusionsvorschriften einhalten. Also, ab heute wirst du dein Bein etwas nachziehen oder leicht humpeln. Ein Behinderter mit afghanischem Blut und Transgender-Sexualität, schön übrigens, dass du gerade Single bist, damit wird die Geschichte glaubhafter, und eine ärmliche Kindheit hattest, all das bildet eine hervorragende Basis für deine Uni-Karriere. Du lässt dich statt Ben nur Benny nennen, das klingt weniger hart, sondern weicher und femininer. Dein Wissen brauchst du nicht vorzutäuschen, das hast du. Allerdings darfst du damit nicht so angeben wie in Studienzeiten, kannst ruhig auch mal den Unwissenden spielen. Streber sind unbeliebt und die Verantwortlichen haben Angst, sie könnten sich vor dir blamieren oder du würdest sie über kurz oder lang von ihren Stühlen verdrängen. Ich habe in den letzten Jahren durch meinen Job und meine Beziehungen viel dazu gelernt, vor allem über die Menschen und ihre Verhaltensweisen. Du musst nicht klug sein, es reicht, als klug zu gelten. Und nicht zu ehrgeizig. Vor allem musst du dir eine Lobby schaffen. Deine Nicht-Beförderung hängt sicher auch damit zusammen, dass du geglaubt hast, es reicht, einen guten Job zu machen. Wen interessiert es, ob deine Vorlesungen und Seminare gehaltvoll und lehrreich sind? Keine Sau. Im Gegenteil. Wenn deine lieben Kollegen hören, wie positiv deine Vorlesungen bei den Studenten ankommen, sind sie höchstens neidisch. Du musst dir Verbündete unter den Lehrkräften und Verantwortlichen schaffen, eine Hand wäscht die andere. Unterstütze einige deiner sogenannten Teammitarbeiter in organisatorischen oder anderen Fragen, zumindest ein paar von ihnen werden sich erkenntlich zeigen.“

„An dir ist doch ein Politiker verloren gegangen!“

„Habe ich anfangs durchaus in Erwägung gezogen, aber letztlich ist der Job zu anstrengend und bringt zu wenig ein. Egal, wie hoch die Diäten sind, mein Gewinn ist höher.

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